Was tun die Bundesländer?

Deutschland, einig Maskenland

Aktualisiert am 22.04.2020
 - 12:49
Welches Maskerl hätten'S denn gern? Selbstgenähte in einem Büro in Friedrichshafen
Immer mehr Bundesländer setzen im Kampf gegen das Coronavirus auf eine Maskenpflicht. Die Abweichler schwenken ein. Ein Überblick über die bisherigen Entscheidungen.

Immer mehr Bundesländer wollen nach längeren Diskussionen eine Pflicht zum Tragen von Masken einführen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Die Pläne sind je nach Land allerdings sehr unterschiedlich. Ein Überblick.

Baden-Württemberg führt am kommenden Montag eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken in Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr ein. Nach einhelliger Meinung von Experten trügen auch einfache Bedeckungen dazu bei, die Verbreitung des Virus zu hemmen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Stuttgart zur Begründung. Die Maskenpflicht sei daher eine geeignete Maßnahme, um die Lockerungen im Alltagsleben zu begleiten. Ein Mundschutz könne wirken, wenn er „on top“ komme, so Kretschmann weiter. Über Sanktionen gegen Maskenverweigerer werde in den kommenden Tagen entschieden.

Auch in Bayern gibt es von Montag an in Geschäften, Busse und Bahnen eine Pflicht, Mund und Nase zu verhüllen. Die Maskenpflicht soll für Kinder ab dem siebten Lebensjahr gelten, wie das Kabinett am Dienstag in München entschied. Wer gegen die Maskenpflicht in Bayern verstößt, dem droht nach Aussage von Staatskanzleichef Florian Herrmann ein Bußgeld. Die Höhe stehe noch nicht fest. Der Freistaat hat bundesweit die meisten Corona-Fälle registriert.

Die Menschen in Berlin müssen ab nächster Woche Montag in Bussen, S- und U-Bahnen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das beschloss der Senat am Dienstag. Im Unterschied zu etlichen anderen Bundesländern soll sie indes nicht für den Einzelhandel gelten. Dort sowie bei Kontakt mit Risikopersonen wird ein solcher Schutz „dringend empfohlen“. Als Mund-Nasen-Bedeckung gelten nicht nur einfache OP-Masken oder selbstgenähte Modelle, sondern auch ein Tuch oder ein Schal.

Bremen sieht vorerst noch von einer Tragepflicht von Masken in der Öffentlichkeit ab. Der Senat will noch bis Freitag abwarten und dann entscheiden, ob eine entsprechende Verordnung am Montag in Kraft treten könnte. Trotz dringender Empfehlung hat laut Bremer Ordnungsamt nur etwa jeder Fünfte am Montag beim Einkaufen oder im Öffentlichen Personennahverkehr eine Mund- und Nasenbedeckung getragen. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte, sollte man bis Freitag feststellen, dass sich 90 Prozent freiwillig an die Empfehlung hielten, dann wäre das Ziel ohne Verpflichtung erreicht. Er habe die Hoffnung, dass dies freiwillig umgesetzt werden könne. „Wenn das nicht der Fall ist, müssen wir entsprechend andere Beschlüsse fassen.“

Brandenburg führt nach Berlin ebenfalls die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen ab Montag ein – sie soll dazu noch für den Einzelhandel gelten. Das will das Kabinett am Donnerstag beschließen, wie Regierungssprecher Florian Engels am Mittwoch ankündigte.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat von Montag an für die Hansestadt eine Maskenpflicht im Einzelhandel, auf Wochenmärkten und im öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Die bisherigen Empfehlungen zum Tragen von Masken gegen die weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie hätten in Hamburg nicht ausreichend gefruchtet.

Hessen will ebenfalls eine Maskenpflicht einführen. Diese solle für Geschäfte und den öffentlichen Nahverkehr gelten, sagte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Wiesbaden. Ein Kabinettsbeschluss dazu stehe aber noch aus.

In Mecklenburg-Vorpommern sind Masken ab kommendem Montag Pflicht, aber nur im Nahverkehr.

Niedersachsen will das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes wegen der Corona-Pandemie zur Pflicht. Vom kommenden Montag an müssen sogenannte Alltagsmasken oder auch andere Abdeckungen wie Schals im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften getragen werden.

Auch Nordrhein-Westfalen führt eine landesweite Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus ein. Vom kommenden Montag an sei das Tragen einer Maske beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen verpflichtend, teilte die Landesregierung am Mittwoch mit. Indem Mund und Nase mit Stoff bedeckt werden, soll die Gefahr minimiert werden, Mitmenschen mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Neben OP-Masken sind auch selbstgenähte Stoffmasken oder über das Gesicht gezogene Schals und Tücher als Schutzbarriere erlaubt.

Rheinland-Pfalz will das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes wegen der Corona-Pandemie zur Pflicht machen. Vom kommenden Montag an müssen sogenannte Alltagsmasken oder auch andere Abdeckungen wie Schals im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften getragen werden.

Sachsen hat als erstes Bundesland bereits am Montag eine Maskenpflicht beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen eingeführt.

Das Saarland will das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes wegen der Corona-Pandemie zur Pflicht. Vom kommenden Montag an müssen sogenannte Alltagsmasken oder auch andere Abdeckungen wie Schals im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften getragen werden.

Die strengen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus hat Sachsen-Anhalt gerade erst gelockert, da müssen sich die Menschen auf neue Vorschriften einstellen: Die schwarz-rot-grüne Landesregierung beschloss eine entsprechende Tragepflicht am Dienstag bei einer Sitzung in Magdeburg. Die Pflicht soll ab Donnerstag (0.00 Uhr) gelten. Neben OP-Masken sind auch selbstgenähte Stoffmasken oder über das Gesicht gezogene Schals und Tücher als Schutzbarriere erlaubt. Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit der vergleichsweise geringsten Zahl nachgewiesener Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2.

Im Kampf gegen das Coronavirus führt auch Schleswig-Holstein eine Maskenpflicht ein. Das Kabinett werde am Mittwoch beschließen, das Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln vom 29. April an zur Pflicht zu machen, kündigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstag an. Schleswig-Holstein folgt damit dem Beispiel anderer Bundesländer.

In Thüringen müssen die Bürger von Freitag an einen Mundschutz in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen tragen. Das hat die Landesregierung am Dienstag in Erfurt beschlossen. Von Freitag an dürfen in Thüringen wieder Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern öffnen, am Montag gehen die Abiturienten wieder in die Schulen. Damit sind mehr Menschen in der Öffentlichkeit unterwegs als in den vergangenen Wochen. Ab wann die Pflicht gilt, war zunächst nicht bekannt. Die Einwohner von Thüringens zweitgrößter Stadt Jena haben bereits seit einiger Zeit Erfahrungen mit dem Tragen der Mund- und Nasenbedeckung gesammelt. Auch der Kreis Nordhausen hatte eine solche Regelung getroffen.

Quelle: lohe./dpa/AFP/Reuters
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