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Merkel in Chemnitz

„Nicht von denen die Tagesordnung vorgeben lassen“

Von Stefan Locke, Chemnitz
Aktualisiert am 16.11.2018
 - 18:16
Angela Merkel in Chemnitz
Bei ihrem Besuch in Chemnitz will Angela Merkel ein anderes Bild der sächsischen Stadt zeigen. Es sei schrecklich, dass ein Mensch gestorben sei, sagt die Kanzlerin. Das aber rechtfertige nicht, selbst Straftaten zu begehen.

Die Frage, ob drei Monate später zu spät sind, hatte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig vor dem Besuch der Bundeskanzlerin öffentlich gestellt. Sie hätte es gut gefunden, wenn Angela Merkel unmittelbar nach den Ereignissen Ende August in die sächsische Stadt gekommen wäre. „Ob der heutige Besuch von Angela Merkel mehr als eine Geste und für unsere Stadt eine Unterstützung ist, lässt sich noch nicht sagen“, sagte Ludwig am Freitagmittag. „Entscheidend dafür ist, ob die Bundeskanzlerin einen Beitrag dazu leisten kann zu zeigen, dass Chemnitz anders ist als der vielfach transportierte Eindruck der vergangenen Wochen.“ Chemnitz sei eine sichere, lebenswerte und internationale Stadt. „Trotzdem ist das Gefühl vieler Menschen hier zurzeit ein anderes, das Bild vieler Menschen anderswo auch.“

Merkel traf am Mittag in Chemnitz ein; sie besuchte zunächst ein Training von Nachwuchsspielern des multinationalen Basketballzweitligisten Niners Chemnitz und traf sich anschließend mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Barbara Ludwig sowie rund 20 Chemnitzer Bürgern zu einem vertraulichen Gespräch. Am Nachmittag stellte sich die Kanzlerin 120 Lesern der Regionalzeitung „Freie Presse“ in einer Fabrikhalle, in der einst der sächsische Eisenbahnpionier Richard Hartmann Dampflokomotiven fertigen ließ. Die Teilnehmer waren aus 350 Interessenten ausgelost worden, darunter auch nicht wenige Kritiker vor allem ihrer Flüchtlingspolitik, viele hatten Fragen und Statements vorbereitet.

„Es hätte nie so weit kommen dürfen“, sagte vor der Veranstaltung Erwin Feige, der ein Gartennachbar des mutmaßlich von einem Asylbewerber getöteten Daniel H. war. Er kritisierte, dass so viele Flüchtlinge so ungeordnet ins gekommen seien. Dennoch habe er „höchsten Respekt“, dass sich Merkel „überhaupt nach Chemnitz traut“.

Merkel, die zunächst mit vier Bürgern auf einem Podium und später mit den Gästen im Saal diskutierte, sagte, sie wolle dazu beitragen, dass auch ein anderes Bild von Chemnitz deutlich werde. Es sei schrecklich, dass ein Mensch gestorben sei, das aber rechtfertige nicht, selbst Straftaten zu begehen. „Wir dürfen uns nicht von denen, die Hass und Hetze verbreiten, die Tagesordnung vorgeben lassen“, sagte Merkel. Vor allem rechtsradikale Gruppen wie „Pro Chemnitz“ hatten vor dem Abend zu Protesten gegen den Besuch aufgerufen; am frühen Abend hatten sich dazu rund 500 Demonstranten versammelt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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