Erster Tag im Adenauer-Haus

Laschet ist der neue Chef, doch Merz ist stets dabei

Von Eckart Lohse, Berlin
25.01.2021
, 17:59
Armin Laschet spricht an seinem ersten Tag als Chef im Konrad-Adenauer-Haus von „wichtiger Rückendeckung“ durch die Wahl. Doch immer wieder geht es um den unterlegenen Konkurrenten Friedrich Merz.

Am 15. Mai 2017 habe er zum letzten Mal „an diesem Pult“ gestanden, sagte Armin Laschet am Montagmittag. Das war der Tag nach der jüngsten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Der Hinweis des neuen Bundesvorsitzenden der CDU konnte als kleine, anekdotische Erinnerung verstanden werden. Oder als Bemühen, zum Start ins neue Amt an die eigene Stärke zu erinnern. Denn Laschet hatte die Landtagswahl gewonnen und damit die SPD besiegt und die CDU in Düsseldorf an die Macht geführt. Seht, so lautete die unausgesprochene Botschaft, hier steht einer, der im bevölkerungsreichsten Land der Bundesrepublik eine Mehrheit bekommen kann.

Dann erinnerte Laschet an seinen jüngsten Erfolg, nämlich bei der schriftlichen Abstimmung im Anschluss an den digitalen CDU-Parteitag bei einer fast vollständigen Beteiligung aller Delegierten mehr als achtzig Prozent der Stimmen bekommen zu haben. Das sei eine „wichtige Rückendeckung in diesem für uns so wichtigen Wahljahr“. Da wollte offenbar jemand noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, wie fest er im Sattel sitzt.

Eine Spur von Unverständnis über Merz

Er wisse, was es bedeute, wenn jemand vielleicht einen anderen Favoriten gehabt habe und am Ende doch sage, dass man jetzt zusammenstehe. „Das ist mir sehr wichtig.“ In der Pressekonferenz nach der ersten Sitzung der neu konstituierten Führungsgremien der CDU unter Laschets Leitung kam die Sprache dann schnell auf Friedrich Merz, der Laschet nur knapp unterlegen war. Er habe Merz „einen der wichtigsten Posten“ angeboten, den die CDU zu vergeben habe: einen Platz im Präsidium. „Das hat Friedrich Merz leider nicht in Anspruch nehmen können“, sagte Laschet, und es schwang eine Spur Unverständnis mit in seinen Worten. Jetzt werde man über „neue Möglichkeiten der Beteiligung“ sprechen. „Sie wissen, wie ich ihn schätze seit vielen, vielen Jahren.“

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Dann erklärt der neue Chef noch, warum er Norbert Röttgen, dem zweiten Unterlegenen, keinen Posten im Präsidium angeboten habe. Merz habe in der Stichwahl den zweiten Platz belegt. Er freue sich aber, dass Röttgen dabei sei. Der hatte auch ohne Laschets Einladung fürs Präsidium kandidiert – mit Erfolg. So oder so scheint Laschet seine beiden Konkurrenten nicht so leicht loszuwerden. Obwohl sie nicht im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses am Mikrofon standen wie Laschet, waren sie doch dabei.

Natürlich ging es auch ums Inhaltliche. Laschet, der anders als Röttgen und Merz die Fertigstellung der Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland eindeutig unterstützt, sagte, dass er diese Position nicht ändern werde. „Russland ist in der Welt“, äußerte der neue CDU-Chef. Das müsse man bedenken, allerdings müsse man ebenso seine Werte klarmachen. Damit meinte er Kritik an Moskau wegen dessen Umgang mit dem Oppositionsführer Alexej Nawalnyj. Zur Corona-Pandemie sagte Laschet, dass derzeit für eine „Öffnungsdiskussion kein Raum“ sei, und verwies auf die Gefahr durch das mutierte Virus.

Die CDU, so kündigte Laschet an, werde bald mit dem Prozess zur Erarbeitung eines Regierungsprogramms beginnen. Das sollte bis zum Beginn des Wahlkampfes zur Bundestagswahl im Herbst fertig sein. Die Sprache kam auch noch darauf, ob die CDU nach dem Parteitag Mitglieder verloren habe. Da antwortete Generalsekretär Paul Ziemiak: Auf der Bundesebene stünden 350 Neueintritte 250 Austritten gegenüber. Die Zahl der Austritte bewegten sich „im durchschnittlichen Rahmen“, die der Eintritte sei „erfreulich hoch“ und laufe „aus dem Rahmen“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lohse, Eckart
Eckart Lohse
Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
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