Syrer festgenommen

Mutmaßlich islamistischer Angriff auf Touristen in Dresden

Von Stefan Locke, Dresden
Aktualisiert am 21.10.2020
 - 15:53
Nach dem Messerangriff auf Touristen: Spurensicherung in der Dresdner Innenstadt
Nach dem Angriff auf zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen am 4. Oktober wurde Haftbefehl gegen einen 20 Jahre alten Mann aus Syrien erlassen. Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen.

Nach dem gewaltsamen Angriff auf zwei Touristen aus Nordrhein-Westfalen am 4. Oktober im Dresdner Stadtzentrum hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat einen radikal-islamistischen Hintergrund hatte, wie ein Sprecher der Behörde am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe sagte.

Zuvor hatte das Amtsgericht Dresden Haftbefehl gegen einen 20 Jahre alten Mann aus Syrien erlassen und Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft ermittelte zunächst wegen des Verdachts des Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Beschuldigte sei dringend verdächtig, die beiden aus Köln und Krefeld stammenden Männer am Abend des Tattages unvermittelt mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Eines der beiden Opfer, ein 55 Jahre alter Mann, war kurz nach der Attacke im Krankenhaus gestorben, sein 53 Jahre alter Begleiter überlebte schwer verletzt, konnte aber inzwischen in seine Heimat zurückkehren. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter am Dienstagabend im Stadtzentrum Dresdens fest. Vorausgegangen war eine gut zwei Wochen dauernde Fahndung nach dem Mann, der bereits polizeilich registriert war und aufgrund von Spuren am Tatort identifiziert werden konnte, wo die Polizei ein blutverschmiertes Küchenmesser sichergestellt hatte.

„Erheblich vorbestraft“

Den Angaben zufolge handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen „erheblich vorbestraften“ Mann, der erst vier Tage zuvor aus der Jugendstrafvollzugsanstalt in Regis-Breitingen entlassen worden war. Zu diesem Zeitpunkt habe er eine Jugendstrafe vollständig verbüßt, sich jedoch unter Führungsaufsicht befunden, heißt es in der Mitteilung. Im Dezember 2019 hatte das Amtsgericht Leipzig den Mann wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und einem Monat verurteilt.

Darin eingeflossen war ein Urteil des Oberlandesgerichts Dresden aus dem Jahr 2018, das den Mann wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland und des Verschaffens von Plänen zur Begehung einer schweren Straftat sowie ebenfalls wegen Körperverletzung und Bedrohung zu einer Strafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt hatte. Der Tatverdächtige hält sich der Behörde zufolge seit 2015 in Deutschland auf und ist derzeit nach dem Aufenthaltsgesetz geduldet.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot