FAZ plus ArtikelBundeswehroffizier vor Gericht

Die Pistole auf der Toilette wird zur Staatsaffäre

Von Helmut Schwan
29.03.2021
, 18:11
Ein mutmaßlich rechtsextremer Oberleutnant aus Offenbach bringt beinahe die Ministerin zu Fall: Der groteske Fall des Franco A. wird nun, vier Jahre später, in Frankfurt verhandelt.

Die Geschichte des Franco A. könnte mit einem leicht ironischen Unterton erzählt werden: Wie ein junger Mann aus Offenbach Anfang 2017 eine Wehrmachtspistole auf der Behindertentoilette des Flughafen Wiens versteckte, damit eine Staatsaffäre auslöste, über die fast die Verteidigungsministerin gestolpert wäre und von der schließlich sogar die New York Times berichtet. Der Fall ist ebenso skurril wie widersprüchlich, er hat sogar einige komische Momente. Der Fall muss nach Ansicht der Bundesanwaltschaft aber nach wie vor sehr ernst genommen werden, obwohl sein Protagonist, Franco A., bei gekürztem Sold längst wieder in Freiheit ist.

Die Karlsruher Ermittler haben vor dem Bundesgerichtshof durchgesetzt, dass von Mai an gegen den 32 Jahre alten suspendierten Oberleutnant vor dem Frankfurter Oberlandesgerichts wegen der „Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Gewalttaten“ verhandelt wird. Außerdem werden ihm Verstöße gegen das Waffen-, das Kriegswaffenkontroll- und das Sprengstoffgesetz sowie Diebstahl und Betrug vorgeworfen. Er soll Anschläge auf mehrere Politiker, darunter den damaligen Bundesjustizminister und heutigen Außenminister Heiko Maas (SPD) sowie gegen die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Die Grünen) und eine jüdische Menschenrechtsaktivistin geplant haben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schwan, Helmut (hs.)
Helmut Schwan
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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