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Für Opfer der SED-Diktatur

Eine Beauftragte mit viel Einfühlungsvermögen

Von Frank Pergande, Berlin
10.06.2021
, 10:30
Erste Beauftragte für Opfer der SED-Diktatur: Evelyn Zupke, im Hintergrund der Bundestag in Berlin Bild: dpa
Ihr Amt wurde neu geschaffen: Der Bundestag ernennt heute die DDR-Bürgerrechtlerin Evelyn Zupke zur Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur. Ganz unumstritten ist sie nicht.
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In wenigen Tagen geht der Bundesbeauftragte für die Hinterlassenschaft der DDR-Staatssicherheit Roland Jahn in den Ruhestand. Die Koalition aus Union und SPD nimmt das zum Anlass, die Behörde als solche aufzulösen. Die Akten kommen ins Bundesarchiv, die Mitarbeiter – immer noch mehr als tausend – werden dort übernommen. Akteneinsicht bleibt gewährt. Dafür wird es nun einen beim Bundestag angesiedelten Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur geben. Darüber, wer das Amt übernehmen soll, konnten sich die Regierungsparteien erst in letzter Minute einigen: Es wird die 1962 in Binz auf Rügen geborene Evelyn Zupke.

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Ihre DDR-Biographie ähnelt der vieler Oppositioneller. Erste Zweifel am Regime kamen ihr in der Schulzeit. Der Anlass war das Schicksal eines Mitschülers, der sich zunächst für eine Offizierslaufbahn in der DDR-Armee verpflichtet hatte, dann aber nicht mehr wollte und deswegen von der Schule geworfen wurde. Zupke stand ihm bei, fast als einzige. So rutschte sie mehr in eine Oppositionsrolle, als dass sie sich bewusst dafür entschied: „Wie ich dazu gekommen bin? So genau weiß ich das gar nicht. Ich war plötzlich mittendrin!“

Im Jahr 1984 verweigerte sie die Teilnahme an der Wahl, sprach von „Zettelfalten“ und „Kasperletheater DDR-Wahl“. Im selben Jahr entschied sie sich, in die kirchliche Behindertenarbeit zu gehen – auch das war ein nicht ungewöhnlicher Weg für Systemkritiker. Sie gehörte in Ost-Berlin zum oppositionellen Weißenseer Friedenskreis, dem es gelungen ist, die Fälschungen bei der Kommunalwahl im Mai 1989 nachzuweisen. Von der Aktion ging ein Signal aus, das in die Revolution im Herbst führte.

Streit über Zupkes Ost-Vergangenheit

Evelyn Zupke lebt heute in Hamburg. Seit dem vorigen Jahr ist sie Beiratsmitglied für den Härtefallfonds des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Außerdem reist sie als Zeitzeugin durch das Land, um Aufklärung über die DDR zu betreiben. Berlin zeichnete sie mit dem Verdienstorden der Stadt aus, das war noch unter Klaus Wowereit. In Hamburg studierte Zupke an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie, brach aber ab, als es dort zu einem grundsätzlichen Streit kam, der auch mit ihrer Ost-Vergangenheit zu tun hatte. Es ging um die Lehrauffassung zur sozialen Arbeit in der DDR sowie über angebotenes Lehrmaterial von Eberhard Mannschatz, der in der DDR führend verantwortlich für den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau gewesen war.

Welche Rolle die Bundesbeauftragte spielen wird im Spannungsfeld zwischen Politik und den Opferverbänden, die Zupke durchaus kritisch sehen, wird von ihrer Person abhängen. Die Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus und Rolf Mützenich bescheinigen ihr eine „hohe Sozialkompetenz“, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen im Umgang mit Betroffenen.

Quelle: F.A.Z.
Frank Pergande
Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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