Britta Ernst im Porträt

Auf Augenhöhe mit Olaf Scholz

Von Markus Wehner, Berlin
09.12.2021
, 10:36
Gleichberechtigung ist das A und O ihrer Partnerschaft und Ehe: Britta Ernst und Olaf Scholz
Seit langem sind sie ein Paar: Olaf Scholz und Britta Ernst. In der SPD hat die Ehefrau des Kanzlers eine eigene erfolgreiche Karriere gemacht. Eine First Lady will die Bildungsministerin von Brandenburg nicht sein.
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Olaf Scholz wird manches wissen über die Probleme an den Brandenburger Schulen. Denn seine Ehefrau Britta Ernst ist seit mehr als vier Jahren Bildungsministerin in Brandenburg. Nie zuvor hat sie so viele Briefe von besorgten, oft empörten und zornigen Eltern bekommen wie in den vergangenen zwei Jahren. Die einen wollen in der Pandemie mehr Sicherheit für ihre Kinder, andere finden Tests und Maskenpflicht übertrieben. Vor einigen Tagen forderte der Landeselternbeirat gar den Rücktritt der Ministerin.

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Am Mittwoch saß Britta Ernst im Bundestag auf der Tribüne, als ihr Mann zum Kanzler gewählt wurde. Eine First Lady wird sie aber nicht sein. Das hat sie schon im Wahlkampf klargemacht, gemeinsame Auftritte wollte sie nicht. Der SPD-Ortsverein, in dem sie organisiert ist, liegt nicht im Wahlkreis ihres Mannes. Gleichberechtigung ist ihr in der Partnerschaft wichtig, keiner soll unter der Karriere des anderen leiden.

Die 60 Jahre alte gelernte Kauffrau der Wohnungswirtschaft, die später Sozialökonomie studierte, hat selbst eine erfolgreiche politische Laufbahn hinter sich. Vierzehn Jahre, von 1997 bis 2011, saß sie für die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft. Als Scholz zum Ersten Bürgermeister gewählt wurde, musste sie sich aus dem Parlament der Hansestadt zurückziehen, was ihr schwerfiel. Sie arbeitete in Berlin, zunächst stellvertretend, als Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Bundestag. Drei Jahre später zog sie um nach Kiel, wurde Bildungsministerin in der Regierung von Schleswig-Holstein.

Doch die Nord-SPD verlor 2017 die Landtagswahl, Ernst war ihr Amt los. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke holte sie noch im selben Jahr als Bildungsministerin nach Potsdam. Die abermalige Bildung einer großen Koalition im Bund Anfang 2018 führte dazu, dass ihr Mann, nun Bundesfinanzminister, ihr nach Potsdam folgte. Erst bezog das Paar eine Wohnung an der Glienicker Brücke an der Grenze zu Berlin, vor Kurzem zog es in eine größere Wohnung am Alten Markt.

Ernst ist im Umgang angenehm hanseatisch, besitzt einen trockenen Humor. Kennengelernt hat sich das Paar 1984 bei den Hamburger Jusos, erst 1998 heirateten sie. Wenn es um die Liebe geht, dann äußert sich ihr Mann nicht so kühl wie oft sonst. Seine Frau, die ihm das Wichtigste sei, habe ihn zu einem anderen, besseren Menschen gemacht. So hat die passionierte Läuferin ihn vor 20 Jahren zum Laufsport animiert. Als Scholz im Juli gefragt wurde, ob seine Frau auch weiterarbeite, wenn er Kanzler werde, sagte er, diese Frage empöre ihn. Und: „Ich weiß nicht, ob die auch Männern gestellt wird, die Ehegatten sind.“ Britta Ernst, derzeit Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, wird der Politik also erhalten bleiben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wehner, Markus
Markus Wehner
Politischer Korrespondent in Berlin.
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