FAZ plus ArtikelReparationsforderungen

Deutschland, der ewige Schuldner?

EIN KOMMENTAR Von Reinhard Müller
22.09.2022
, 12:02
Veteranen der polnischen Armee nehmen an einer Kranzniederlegung anlässlich der nationalen Gedenkfeiern zum Jahrestag des Zweiten Weltkriegs teil.
Polen hat den Sinn der EU offenbar nicht verstanden. Wer heute in der Union noch Reparationsforderungen stellt, dient nicht dem Frieden.
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Mit einem einzigartigen Satz wandten sich die polnischen Bischöfe nur zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an ihre deutschen Amtsbrüder: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Diese Handreichung ist so bewegend, weil sie die Bitte um Vergebung des von Deutschland überfallenen Landes enthält, dessen Volk die Deutschen unter nationalsozialistischer Führung entrechten und teils ausrotten wollten und das mehr als fünf Millionen Menschen gewaltsam verlor.

Gewiss, es handelt sich hier um eine Botschaft von Kirchenmännern, nicht um eine staatliche Geste. Aber sie zeigt, dass mancher schon damals so viel weiter war als die polnische Regierung und das polnische Parlament heute. Denn so richtig es ist, Schuld zu benennen, so fragwürdig ist es doch heute noch, Schuld in Geldforderungen umzurechnen und aufzurechnen. Wer diese Karte zieht, gefährdet den europäischen Zusammenhalt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müller, Reinhard
Reinhard Müller
Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.
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