FAZ plus ArtikelRacial Profiling

Seehofer hatte keine Studie zu Rassismus geplant

Von Frank Pergande
Aktualisiert am 11.07.2020
 - 16:08
Gute Beziehung: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Mai 2018 beim Besuch einer Spezialeinheit der Brandenburgischen Polizei
Welche Rolle spielt Racial Profiling bei der deutschen Polizei? Manche wollen das herausfinden. Der Bundesinnenminister nicht.

Vor einigen Tagen kündigte das Bundesinnenministerium an, es werde eine Studie über Racial Profiling bei der Polizei geben. Racial Profiling, auch ethnisches Profiling genannt, meint ein Vorgehen der Polizei allein aus dem Grund, dass jemand bestimmte äußere Merkmale zeigt, also etwa die Hautfarbe – und zwar ohne dass es einen konkreten Verdacht gibt. Der Ausdruck stammt aus der amerikanischen Kriminalstatistik. Und dass nun auch in Deutschland davon die Rede ist, hat ebenfalls mit Amerika zu tun: den Unruhen nach dem Tod eines Schwarzen durch Polizeigewalt. Daraufhin schilderte auch in Deutschland mancher seine Erfahrung mit der Polizei und führte es auf Racial Profiling zurück.

Etwa Karamba Diaby, der schwarze SPD-Bundestagsabgeordnete, der auf Twitter am Dienstag berichtete: „Ich wurde zusammen mit einer anderen schwarzen Person von Polizisten vor Hunderten Mitpendlern kontrolliert. Sie haben nur uns beide nach dem Ausweis gefragt. Das war verletzend.“ Diaby kommt zu dem Schluss: „Racial Profiling passiert in diesem Land. Öffnen wir endlich unsere Augen und Archive.“ Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken ist davon überzeugt, dass es „latenten Rassismus“ bei der Polizei gibt. Da auch die Polizeigewerkschaften eine solche Studie grundsätzlich begrüßen, schien die Ankündigung aus dem Innenministerium schlüssig, der Sache auf den Grund zu gehen. Zumal eine solche Studie auch von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz empfohlen worden war.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Pergande, Frank
Frank Pergande
Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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