RAF-Prozess

Zeuge präsentiert neue Version von Buback-Mord

14.12.2010
, 14:47
Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker Ende September im Gerichtssaal in Stammheim
Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist ein neuer Zeuge aufgetreten. Nach seiner Aussage habe eine Frau die tödlichen Schüsse auf Siegfried Buback abgefeuert. Zweifel bestehen allerdings, warum sich der Zeuge erst 33 Jahre nach dem Attentat meldete.
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Neue Zeugenaussage im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim erklärte ein Zeuge am Dienstag, er habe gesehen, wie eine Frau von einem Motorrad aus die tödlichen Schüsse abfeuerte. Die detaillierte Aussage könnte die umstrittene These stützen, die angeklagte ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker habe Buback selbst erschossen. Zweifel bestehen allerdings, warum sich der Zeuge erst 33 Jahre nach dem Attentat meldete.

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Der 56-jährige Kaufmann und Fluglehrer hatte sich erst im Frühjahr an den Sohn des Ermordeten gewandt, den Nebenkläger Michael Buback. Er habe vom Steuer eines VW-Busses aus das Attentat beobachtet, sagte der Zeuge. „Es sah für mich aus wie eine Mafia-Hinrichtung.“

Nach den Schüssen habe das Motorrad den Dienstwagen Bubacks einmal umrundet. „Die Dame, die da drauf saß, hat mit der Maschinenpistole rumgefuchtelt“.

RAF
Becker wegen Buback-Mordes vor Gericht
© afp, afp

Er habe das Gesicht der Frau sehen können, sie habe gelacht oder „die Zähne gebleckt“. Damals habe er sich aus Angst vor einer möglichen Rache der RAF nicht bei der Polizei gemeldet.

Verena Becker muss sich in Stuttgart-Stammheim als mögliche Mittäterin des Mordanschlags verantworten. Die Anklage geht allerdings nicht davon aus, dass die damals 24-Jährige selbst auf dem Motorrad saß; vielmehr habe sie eine maßgebliche Rolle bei der Organisation des Attentats gespielt. Bubacks Sohn Michael, der als Nebenkläger in dem Verfahren auftritt, hält Becker hingegen für die Schützin. Er glaubt, dass sie bei den Ermittlungen geschützt wurde, weil sie schon vor ihrer Festnahme mit Geheimdiensten kooperiert habe. Hierfür allerdings gibt es bislang keine Belege.

Prozess verlässt Stammheim

Der Prozess wird von Februar an nicht mehr in Stuttgart-Stammheim verhandelt. Das Oberlandesgericht hat bereits am Montag mitgeteilt, nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung seien die hohen Sicherheitsstandards nicht mehr erforderlich. Deshalb wird der Prozess vom 17. Februar 2011 an im Gebäude des Landesgerichts in der Stuttgarter Innenstadt fortgesetzt.

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Im sogenannten Mehrzweckgebäude unweit des Gefängnisses in Stuttgart-Stammheim mussten sich Prozessbesucher und Journalisten bisher umfangreichen Kontrollen unterziehen. Ein Gerichtssprecher sagte, seit Prozessbeginn Ende September habe es keinerlei Vorkommnisse oder Störungen gegeben. Deshalb sehe das Gericht die hohen Sicherheitsanforderungen nicht mehr als notwendig an. Zudem sei Becker auf freiem Fuß und eine Vorführung aus der Haft sei damit nicht erforderlich.

Der streng abgeschirmte Verhandlungssaal im Stuttgarter Vorort Stammheim hat durch die RAF-Prozesse in den 70-er und 80-er Jahren und der benachbarte Hochsicherheitstrakt durch die Selbstmorde der RAF-Terroristen im Herbst 1977 traurige Berühmtheit erlangt.

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Quelle: dpa
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