Nach Rückzug aus Netzwerk

Habeck: Twitter ist ein Instrument der Spaltung

09.01.2019
, 16:22
Nach Datenklau und Twitter-Fauxpas: Grünen-Chef Robert Habeck kehrt den sozialen Medien den Rücken zu – zumindest Facebook und Twitter. Nun erklärt er seinen Schritt.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat den Internetdienst Twitter scharf kritisiert und seinen eigenen Rückzug von sozialen Netzwerken verteidigt. „Das Medium hat sich seit Obamas erstem Wahlkampf von einem Instrument der Demokratisierung eher zu einem Instrument der Spaltung entwickelt“, sagte Habeck der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit Blick auf Twitter. Am stärksten stehe für diese Entwicklung „der Twitterer Donald Trump“.

Habeck hatte Anfang der Woche sein Twitter- und sein Facebook-Konto gelöscht, nachdem private Daten von ihm und seiner Familie ausgespäht und ins Internet gestellt worden waren. Weiterer Grund war ein umstrittener Tweet Habecks im Vorfeld des Landtagswahlkampfs in Thüringen.

„Kein Medium des echten Dialogs“

Für ihn als Politiker sei „Twitter gar kein Medium des echten Dialogs, das ist doch ein Mythos“, sagte der Grünen-Vorsitzende nun der „Zeit“. Er kündigte an, er werde künftig vermehrt andere Formen der Begegnung suchen: „Meine Sehnsucht nach direktem Austausch mit den Leuten wird in Zukunft eher noch größer sein, in Gestalt echter Gespräche und langsamerer digitaler Kommunikation.“

Eine Rückkehr zu Facebook oder Twitter schloss Habeck vorerst aus. „Ich kann nicht unendlich in die Zukunft sehen, aber erst mal habe ich die Brücken gesprengt“, sagte er der „Zeit“. Habeck hatte mit seinem Rückzug eine kontroverse Debatte über Chancen und Risiken des Einsatzes sozialer Netzwerke als Mittel der Politik ausgelöst.

Bei Instagram will Habeck nach seinem Abschied von Facebook und Twitter allerdings aktiv bleiben. „Mit Instagram habe ich bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, deshalb gab es keinen Grund, da raus zu gehen“, sagte er am Dienstag in Frankfurt (Oder) am Rande einer Vorstandsklausur der Grünen.

So zerknirscht sich Habeck nach dem Fauxpas auch gibt, er und seine Partei wissen ganz genau, dass ihnen genau solche Bemerkungen den Vorwurf der Besserwisserei einhandeln können, der den Grünen seit langem zu schaffen macht. Im besagten Video sprach er davon, dass ausgerechnet das von den Grünen mitregierte Thüringen ein „offenes, freies, liberales, demokratisches Land“ werden möge – als müsse 30 Jahren nach der Wende die Demokratie erst noch eingeführt werden.

Dabei könnte die Welt für die Grünen eigentlich auch im Osten ganz in Ordnung sein. Denn das Umfragehoch, das die Partei derzeit bundesweit verzeichnet, färbt auch auf Brandenburg, Sachsen und Thüringen ab, wo in diesem Jahr gewählt wird.

Quelle: AFP/dpa
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