FAZ plus ArtikelRobotik-Standort Dresden

„Eine Riesenrevolution steht uns bevor“

Von Stefan Locke, Dresden
Aktualisiert am 26.09.2020
 - 20:23
Blick in die Zukunft: Mitarbeiter am Zentrum für taktiles Internet in Dresden arbeiten mit einem Roboterzur Bildergalerie
Dresden hat sich seit 1990 zu einem Hightech-Standort entwickelt. Das liegt an der Geschichte, vor allem aber an den Menschen. Sie haben sich schon oft neu erfunden. Bald will die Stadt zu den führenden Robotik-Zentren Europas gehören.

Die Zukunft steht im Atrium einer neobarocken Villa am Rande des Großen Gartens im Zentrum Dresdens. Zwei Industrieroboter thronen auf einem Podest, davor steht Maria Piechnick und sagt, dass jedes Kind diese Maschinen programmieren könne. Sie drückt dem Reporter eine Art kabellosen Joystick in die Hand, während ein Computerprogramm die Bewegung aufzeichnet, die man damit macht. Anschließend vollführt der Roboter exakt die gleiche Bewegung. Geht die Hand nach links, bewegt sich auch der Roboterarm nach links, zeichnet man in der Luft einen Kreis, macht die Maschine einen ebensolchen. „Glückwunsch, Sie haben soeben einen Roboter programmiert“, sagt Piechnick. Sie hat das Ganze maßgeblich mitentwickelt und ist heute ausweislich ihrer Visitenkarte „Head of product“ eines Startups namens Wandelbots, das in der Robotik-Szene gerade Furore macht.

Die kleine Firma in der großen Villa ist drauf und dran, eine Revolution auszulösen, die unser Leben verändern wird. Vor nicht mal drei Jahren haben Piechnick und fünf Kommilitonen, die in Dresden Informatik und Elektrotechnik studierten, das Unternehmen gegründet. Heute haben sie bereits mehr als 90 Mitarbeiter aus 14 Ländern und erhalten Termine bei den Vorständen von VW, Siemens, Microsoft. Eine halbe Stunde bekamen die Dresdner kürzlich in der Microsoft-Zentrale in Redmond. Sie statteten Vorstandschef Natya Sadella mit besagtem Joystick aus, den sie „TracePen“ nennen, womit er wiederum live einen Roboter im 8000 Kilometer entfernten Dresden steuerte. Seitdem investiert der Software-Riese in Wandelbots. Wie sich das anfühlt? „Mega entspannt“, sagt Christian Piechnick, Chef der Firma und Ehemann von Maria. „Das war ein Gespräch voll auf Augenhöhe.“ Auf seinem T-Shirt steht „No Code Robotics“, Turnschuhe trägt er auch bei Vorstandsterminen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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