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Rostocks Bürgermeister

Madsens Methode gegen Corona

Von Mona Jaeger
Aktualisiert am 23.04.2020
 - 19:41
Claus Ruhe Madsen (Archivbild)
Claus Ruhe Madsen wurde scharf kritisiert, weil er früh die Schulen schloss und viele Menschen testen ließ, die keine Symptome hatten. Nun ist die Stadt von Corona befreit – Entwarnung gibt er trotzdem nicht.

Vor einigen Wochen war der Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen für seinen rigiden Kurs noch kritisiert worden. Etwa, als er für seine Verwaltung einen Shutdown verhängte und von den 2500 städtischen Mitarbeitern 2000 nach Hause schickte, damit sie von dort arbeiteten. Am lautesten aber war die Kritik, als er sich bei der ortsansässigen Firma Centogene erkundigte, ob das Biotechnologie-Unternehmen, das auf die genetische Diagnose seltener Erbkrankheiten spezialisiert ist, auch Corona-Tests bereitstellen könnte.

Es konnte, und Madsen ließ Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute und Pflegekräfte testen – auch diejenigen, die keine Symptome hatten. Fachleute lehnten damals noch solche „Massentests“ ab.

„Eigentlich ein Grund zum Feiern“

Der Rostocker Oberbürgermeister aber sieht sich bestätigt: Am Donnerstag verkündete er, dass Rostock die erste deutsche Großstadt sei, die keinen Corona-Fall mehr habe. Der letzte an Covid-19 Erkrankte habe nun die Quarantäne verlassen können. „Das ist eigentlich ein Grund zum Feiern“, sagt Madsen. Es sei wichtig, den Bürgern deutlich zu machen, dass die Maßnahmen etwas bringen. So ganz will er sich der Begeisterung aber nicht hingeben: „Wir müssen weiter diszipliniert bleiben.“

Es könne jederzeit wieder einen neuen Infektionsfall geben. Es sei aber wichtig, den Bürgern einen genauen Fahrplan vorzulegen: Welche Maßnahmen müssen warum und wie ergriffen werden? Nur so machten die Leute mit. „Es gibt auch einen Tag nach morgen.“

Madsen ist in Kopenhagen geboren, er verfolgt deswegen genau, wie Dänemark mit der Corona-Krise umgeht. Das Land hat so schnell und konsequent auf die Ausbreitung reagiert wie kaum ein anderes in Europa. Zügig wurden Bibliotheken, Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen. In Rostock gab es am 10. März den ersten Infektionsfall – spät, wie überhaupt Mecklenburg-Vorpommern bislang relativ wenig von der Pandemie betroffen ist. Ein Pop-Konzert mit 5500 Personen, das einen Tag später stattfinden sollte, sagte Madsen ab. Am 11. März wurde die erste Schule geschlossen, am 13. März dann beschlossen, alle 44 Schulen in der Stadt dichtzumachen.

Frühe Massentests halfen offenbar

Madsen hat durchaus Freude daran, sich als unkonventionellen und durchgreifenden Bürgermeister in Szene zu setzen. Die Kapazitäten des örtlichen Gesundheitsamts wurden in Rostock schnell ausgebaut. In der Stadt gibt es fünf Hygieneinspektoren, Mitarbeiter aus dem Brandschutz- und Rettungsamt, aber auch aus der Stadtbibliothek halfen aus. So sollen die Infektionsketten schnell unterbrochen werden.

Offenbar haben vor allem die frühen Massentests geholfen, die Infektionen zu begrenzen. Fachleute an den Unikliniken des Landes und auch vom Verband der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Mecklenburg-Vorpommern verwiesen zunächst darauf, dass das Robert-Koch-Institut keine Massentests empfehle. Es würden so knappe Ressourcen gebunden, vor allem Schutzausrüstung, Laborkapazitäten und Abstrichröhrchen. Außerdem könne sich ein heute negativ Getesteter morgen ja trotzdem anstecken. Madsen sagt hingegen, sie hätten etwa eine Pflegekraft, die noch keine Symptome gehabt habe, früh positiv getestet – und so Schlimmeres verhindert.

Doch es stand der Verdacht im Raum, dass das Unternehmen mit den Ergebnissen der Untersuchungen nicht gesetzeskonform umgehe. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern wies alle Beschäftigten der Landespolizei an, nicht an den Tests teilzunehmen. Es sollte keine Vorteilsnahme geben, denn Centogene bietet die Tests für öffentliche Einrichtungen kostenlos an. Der Datenschutzbeauftragte legte dem Unternehmen einen langen Fragebogen vor. Bisher gibt es keinen Grund zu vermuten, dass Centogene sich nicht gesetzeskonform verhält.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jaeger, Mona
Mona Jaeger
Redakteurin in der Politik.
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