Rüstungsprojekt

Entscheidung über Raketenabwehrsystem noch offen

Von Günter Bannas und Thomas Gutschker, Berlin/Frankfurt
15.05.2015
, 16:01
Ein Soldat der Bundeswehr vor einem Patriot-Raketenabwehrsystem in der Südtürkei
Mit Spannung wird in der Rüstungsbranche erwartet, welche Unternehmen den Zuschlag für eines der teuersten Vorhaben der Bundeswehr erhalten. Die Entscheidung, wer das neue Raketenabwehrsystem herstellt, fällt in wenigen Wochen.
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Die Entscheidung über eines der teuersten Rüstungsprojekte der Bundeswehr, die Nachfolge des Patriot-Abwehrsystems, ist nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums noch nicht gefallen. „Wir sind noch mit beiden großen Herstellern gleichermaßen im Gespräch“, sagte am Freitag ein Sprecher.

Wie schon mitgeteilt, solle der Beschluss zum „Ende des zweiten Quartals 2015“, also Ende Juni, getroffen werden. Damit kommentierte er einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach sich das Ministerium für das Flugabwehrsystem Meads ausgesprochen habe.

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Ein Sprecher des deutschen Herstellers MBDA sagte der F.A.Z.: „Wir respektieren die Entscheidungsprozesse unseres Kunden. Eine offizielle Auswahlentscheidung des Ministeriums ist uns bis dato nicht bekannt.“ Das Unternehmen habe dem Ministerium alle angeforderten Informationen zur Verfügung gestellt und rechne mit einer Festlegung bis Ende Juni.

Meads ist eine gemeinsame Entwicklung von MBDA Deutschland, MBDA Italien und dem amerikanischen Unternehmen Lockheed Martin. In Konkurrenz dazu steht eine Weiterentwicklung des Abwehrsystems „Patriot“ des amerikanische Rüstungskonzerns Raytheon. Vor drei Jahren gab die amerikanische Regierung bekannt, dass Meads für ihre Verteidigungsplanung keine Rolle mehr spiele.

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Damit brachte sie Beschaffungspläne des Bundesverteidigungsministeriums durcheinander. Sie erfüllte gleichwohl ihre vertragliche Verpflichtung, die Entwicklung von Meads mitzufinanzieren. Aus diesen Mitteln können die Programmkosten noch bis Juni gedeckt werden.

Bei der MBDA Deutschland sind 250 Ingenieure und Techniker mit Meads befasst. Sollte die Entscheidung zugunsten des Systems ausfallen, will das Unternehmen mit dem Verteidigungsministerium eine Übergangsfinanzierung aushandeln. Denn es werde sicherlich ein Jahr dauern, bis ein Beschaffungsvertrag ausgehandelt sei, hieß es.

Die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland sei ein „Kriterium“ bei der Entscheidungsfindung, äußerte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Doch werde das von beiden Herstellern erfüllt. Auch sei es bei beiden Systemen möglich, unter interessierten Regierungen weitere „Partner“ zu gewinnen.

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Doch werde „letztlich national“ entschieden, äußerte die Bundesregierung. Bei der Finanzierung komme es nicht so sehr auf die Stückkosten an, sondern auf die Kosten, die im Laufe der Nutzung des Systems anfielen. Genannt wurde ein Zeitraum von 30 Jahren. „Bei so einem komplexen System“ gebe es „nahezu“ täglich Gespräche im Verteidigungsministerium; das werde noch „andauern“.

Das Ministerium will für ein neues taktisches Luftverteidigungssystem etwa vier Milliarden Euro aufwenden. Bei einer Entscheidung zugunsten von Meads würden nach Angaben von MBDA 600 bis 800 Millionen Euro fällig, um das System bis zur Serienreife zu entwickeln.

Für den Rest des Budgets könnten dann acht bis zwölf Vollsysteme angeschafft werden; sie bestehen aus einer Einsatzzentrale, Radaren und Abschusseinheiten. Die Beschaffungskosten würden sinken, wenn sich auch andere Staaten für Meads entscheiden. Neben Deutschland und dem Mit-Entwicklerland Italien erwägen derzeit neun Nato-Staaten, ihre Luftverteidigung zu modernisieren, darunter Polen, die Niederlande und die Türkei.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gutschker, Thomas
Thomas Gutschker
Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.
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