FAZ plus ArtikelWahl Reiner Haseloffs

Acht Abweichler und wilde Spekulationen

Von Reinhard Bingener, Hannover
16.09.2021
, 20:22
Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung
Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg fragt man sich: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?

Die CDU war sich ihrer Sache am Donnerstagmorgen eigentlich ziemlich sicher. Und nicht nur sie: Auch der erfahrene Linkspartei-Politiker Wulf Gallert, der schon seit 1994 im Magdeburger Landtag sitzt und um dessen Untiefen weiß, ging von einem klaren Erfolg des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff aus. In einem internen Chat hatte Gallert vor der Wahl den Tipp abgegeben, dass es unter den 56 Abgeordneten von CDU, SPD und FDP drei Abweichler geben werde. Bei einer Mehrheit der Koalition von sieben Stimmen hätte das nicht viel ausgemacht.

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs versetzte dann auch Gallert in Erstaunen: Haseloff fehlten acht Stimmen. Damit reichte selbst die satte Sieben-Stimmen-Mehrheit der Koalition nicht mehr aus; der Ministerpräsident war durchgefallen. Für Haseloff war es ein Déjà-vu. Schon bei seiner Wahl im Jahr 2016 brachte es Haseloff zunächst nicht auf die erforderliche Mehrheit. Nur 41 Parlamentarier stimmten damals im ersten Wahlgang für ihn, fünf weniger, als die „Kenia“-Koalition aus CDU, SPD und Grünen im Landtag Mandate hatte. Zum damaligen Zeitpunkt herrschte in Sachsen-Anhalt aber auch eine aufgeheizte Stimmung. Die Flüchtlingskrise befand sich auf ihrem Höhepunkt. Die AfD hatte bei der Landtagswahl triumphiert. Und Haseloff musste aus der Not sowie in großer Eile ein noch nie dagewesenes Dreier-Bündnis zusammen mit SPD und Grünen bilden.

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Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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