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Wenn selbst Lehrer die Rechtschreibung nicht beherrschen

Von Rüdiger Soldt
Aktualisiert am 16.02.2020
 - 08:25
Unterricht „bei Herr Maier“: Grammatikfehler fallen oft weder Lehren noch Schülern auf.zur Bildergalerie
Viele Lehrer und Lehramtsstudenten sind schlecht in Grammatik und Rechtschreibung. So geben sie ihre Schwächen an die Schüler weiter. Im vergangenen Februar hat unser Autor Rüdiger Soldt nach Gründen gesucht.

Auf dem Aufgabenblatt einer Schule in Baden-Württemberg steht: „Lese den Text und schreibe eine Zusammenfassung.“ Falscher Imperativ. Lies, müsste es heißen. Und weder Schülern noch Lehrern fällt es notwendigerweise auf, wenn ein Deutsch-Förderkurs „bei Herr Maier“ angeboten wird. Wo es um Rechtschreibung und Grammatik geht, wird gern im kulturpessimistischen Ton über die heutige Schülergeneration geschimpft. Das ist aber eine recht oberflächliche Betrachtung. Denn Schwierigkeiten mit Genitiv, Dativ, Satzbau und Zeichensetzung haben heute nicht wenige Germanistikstudenten, die auf Lehramt studieren, und auch immer mehr Lehrer, die seit vielen Jahren unterrichten. Die Kultusministerien in den Ländern können keine Rechtschreibtests für Lehrer anordnen, sie kennen das Problem aber aus dem Schulalltag und aus vielen Elterngesprächen.

In der Germanistik wird über das Problem erodierender Orthographiekenntnisse seit Mitte der neunziger Jahre diskutiert. Erste Erhebungen über den tatsächlichen Kenntnisstand von Lehramtsstudenten gibt es seit etwa zehn Jahren. Der Linguist und Sprachdidaktiker Albert Bremerich-Vos untersuchte 2016 die Sprachkompetenzen von Studenten, er analysierte 900 studentische Texte. Den Studenten hatte er die Aufgabe gestellt, aus einem feuilletonistischen Zeitungsartikel die zentrale These herauszuarbeiten. 30 Prozent der Texte enthielten mindestens sechs Orthographie- und mindestens fünf Kommafehler. Nur 20 Prozent der Texte wurden als gut eingestuft. Vielen Studenten war es übrigens auch nicht gelungen, die These herauszufiltern.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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