FAZ plus ArtikelMordverfahren Walter Lübcke

Schwer erträglich, von Anfang bis Ende

Von Marlene Grunert, Frankfurt
28.01.2021
, 19:02
Jeder Strafprozess wirft die Frage auf, was Wahrheit ist. Im Verfahren um den Mord an Walter Lübcke lautet sie am Ende: Nur Stephan Ernst ist schuldig. Eine andere Tat bleibt ungesühnt.

Ehe er mit den Urteilsgründen beginne, werde er einige Vorbemerkungen machen, kündigte der Vorsitzende Richter an. Dann sprach er eine Selbstverständlichkeit aus, deren Betonung ungewöhnlich ist. Freisprüche setzten nicht voraus, dass ein Gericht von der Unschuld eines Angeklagten überzeugt sei, stellte Thomas Sagebiel klar. Ein Gericht müsse einen Angeklagten vielmehr freisprechen, wenn erhebliche Zweifel dazu führten, dass es von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugt sei.

Dann wandte der Richter sich an die Familie des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. „Wir wissen, dass Ihr Verlust kaum zu ermessen ist“, sagte er. „Und wir wissen auch, dass dieser Prozess schwer für Sie war.“ Das ändere aber nichts an der Aufgabe eines Gerichts, ein faires und rechtsstaatliches Verfahren durchzuführen. Auch dies sei schwer gewesen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
Redakteurin in der Politik.
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