Sexualerziehung

Denn sie wissen nicht, was es ist

Von Susanne Kusicke
04.01.2013
, 14:25
Was in den Schulbüchern über Sex steht, hilft den Lehrern oft nicht weiter. Denn ihre Schüler haben im Internet schon so viel gesehen und gelesen, dass es nur noch darum geht, über Pornographie aufzuklären.

Es ist kurz vor den Weihnachtsferien. Für die Schüler einer sechsten Klasse in Frankfurt beginnt in der Biologiestunde eine neue Unterrichtseinheit: Sexualkunde. Zu Beginn schreibt die Lehrerin die Ergebnisse einer Umfrage an die Tafel, welche Themen die Schüler bis zum Ende des Schuljahrs behandeln möchten: Sechs Schüler entschieden sich für „Sexualität“, einer für „Den Körper kennenlernen“. Während sie noch schreibt, ruft ein Junge dazwischen: „Also, ich hab’ einen Penis!“ Die Lehrerin schreibt ungerührt weiter. „Ja, wir wollen wissen, wie ,es‘ geht“, setzt ein anderer nach. „Wie was geht?“, fragt die Lehrerin nun zurück. „Na, wie man die Nudel da rein kriegt!“ Man merkt dem Jungen die Freude an der Grenzüberschreitung an. Er feixt. Einige andere lachen. „Sag’ doch einfach ,Geschlechtsverkehr‘“, antwortet die Lehrerin, noch völlig ruhig, und wendet sich wieder der Tafel zu.

Eine angemessene Sprache über dieses Thema zu finden, ist das Ziel der ersten Stunden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und erst einmal wird die Situation gründlich eskalieren. Die Lehrerin dreht sich um und schreibt weiter: Vier Schüler wünschten sich „Hunde“ als Thema, eine Stimme fiel auf „Haustiere“, eine auf „Ernährung“, eine auf „Liebe“ und eine auf „Gefühle kennenlernen“. Mehrheitlich entschieden sich die Schüler also, wie sie es erwartete, für das Thema Sexualität. Eine typische Aufteilung sei das, sagt die Lehrerin später, denn im Alter zwischen elf und 13 Jahren sei die Hälfte der Kinder noch klein und an „kuscheligen“ Themen interessiert, während sich die andere rasend schnell entwickele und schon mitten in der Pubertät stecke.

Zur Einstimmung versucht die Klasse eine Art Brainstorming. In Kleingruppen, nach Jungen und Mädchen getrennt, sollen die Schüler auf ein Plakat schreiben, was ihnen zum Thema Sexualität einfällt. In roten Lettern prangt das Wort in der Mitte. Nur langsam reihen sich - zum Teil bizarre - Stichwörter darum. An einem Tisch unterhalten sich drei Jungen lieber leise weiter über ihre Beyblades, kleine bunte Metallkreisel, die die Kinder sammeln. Später kritzeln sie schnell ein paar Kapitel-Überschriften aus dem Biologiebuch auf ihr Plakat.

„Ich weiß gar nicht, was die meinen“

Am Nachbartisch jedoch geht es sofort ums Ganze: „Die Frau zum Schreien bringen“ und „3er“ sind noch die harmlosesten Themen, die den Jungen einfallen. Auf den Plakaten der Mädchen finden sich viele ähnliche, aber auch einige andere Stichwörter, die man bei den Jungen vergebens sucht: „Love“ zum Beispiel, „Baby“, „Fühlen“, aber auch: „Schmerzen“. „Oh nein, schreib’ das nicht“, kreischt ein Mädchen dazwischen. Der Lärmpegel in der Klasse ist mittlerweile enorm. „Sie sind sehr aufgeregt“, sagt die Lehrerin verständnisvoll.

Anschließend sollen die Kleingruppen ihre Ergebnisse erläutern. Ein Junge geht nach vorne an die Tafel und hängt eines der Plakate auf. „Analsex“ steht darauf. „Das ist, wenn man die Frau von hinten nimmt“, sagt er, und bricht vor Lachen fast zusammen. Das nächste Stichwort lautet „Dieldo“. „Das ist so ein Teil, das man sich bei Beate Uhse kaufen kann.“ Wieder schüttet er sich aus vor Lachen. „Jetzt beruhige dich mal ein bisschen“, mahnt die Lehrerin. Von hinten rufen Schüler dazwischen: „Sag Vibrator, Mann!“ Ein Mädchen beugt sich zu seiner Nachbarin und flüstert: „Ich weiß gar nicht, was die meinen.“ Noch einen Augenblick schweigt die Lehrerin dazu.

„Oralsex, das machen Schwule“, fährt der Junge vorne fort. „Das hast du jetzt falsch erklärt“, sagt die Lehrerin. Der Junge kümmert sich nicht darum. Und dann fällt ein Wort, das sie das ganze Experiment abbrechen lässt. In dem Lärm ging es fast unter. „Setz dich wieder hin, das reicht jetzt“, ruft die Lehrerin. Der Junge kriegt es gar nicht mit. „Lust auf Erotik, das ist, wenn man in eine Stripbar reingeht“, schwadroniert er weiter. Hinten grölen seine Freunde. Die Lehrerin springt auf, mit einem Satz ist sie vorn an der Tafel, fasst ihn am Arm, zieht ihn auf seinen Platz, schreit jetzt selbst: „Nein! Ende! Das gilt für euch alle!“

Die Teilnahme an Sexualkunde ist verpflichtend

Plötzlich ist es fast still. Die Schüler schauen ihre Lehrerin verdutzt an, wie erwacht aus einem kleinen Rausch. „Warum habe ich das jetzt abgebrochen?“, fragt die Lehrerin in die Klasse. „Weil die nur gelacht haben, die haben es gar nicht ernstgenommen“, sagt ein Mädchen nach einer Weile. „Genau.“ Die Lehrerin wendet sich an den Jungen: „Wir sind hier in der Schule, nicht in irgend einem Witzverein. Und jetzt entschuldigst du dich bei deiner Klassenkameradin, weil du sie beleidigt hast.“ „Was hab ich denn gesagt?“ „Du hast F... gesagt.“ „Das ist doch keine Beleidigung!“ „Ich möchte solche Worte hier nicht hören“, insistiert die Lehrerin, „niemand, der nicht weiß, was das ist, soll es hier erst lernen!“

Der Junge ist nun ehrlich empört: „Aber wir alle aus der Klasse wissen, was das ist!“ Die Lehrerin schaut das Mädchen an, das er so tituliert hat. „Wie fühlst du dich, wenn jemand so etwas zu dir sagt?“ „Schlecht“, antwortet das Mädchen. „Also, entschuldige dich!“ Der Junge tut es, endlich. Es hat längst zur Pause geklingelt.

Nach der Stunde sammelt die Lehrerin die Plakate ein. Sie wirkt keineswegs erschüttert. In ihren Augen war die Stunde eher typisch als erstaunlich. „Sie glauben, über alles Bescheid zu wissen, weil sie schon alles Mögliche im Internet gesehen haben, aber das ist natürlich nicht so. Es ist nur ein Scheinwissen. Wenn sie das merken, fangen sie auch an zuzuhören.“

Sexualerziehung beziehungsweise Sexualkunde wird in hessischen Grund- und Mittelschulen meist in der vierten, sechsten und achten Klasse unterrichtet. In der gymnasialen Oberstufe kommt es dann in der Vererbungslehre wieder vor. Die Teilnahme an den Stunden ist für alle Schüler verpflichtend - unabhängig von kulturellen religiösen Traditionen. Die Lehrer sind jedoch gehalten, sensibel mit solchen Vorbehalten umzugehen. Die Eltern werden vor Beginn der entsprechenden Unterrichtssequenzen schriftlich über die Inhalte informiert; in den Grundschulen müssen einführende Elternabende abgehalten werden.

Es handelt sich nach den Lehrplänen um ein fächerübergreifendes Themenfeld, das wahlweise im Biologie-, Ethik-, oder Sozialkundeunterricht angeboten werden kann. Wie viele Stunden dafür eingeplant werden sollen, legen die Lehrpläne nicht fest, sie bestimmen nur, dass das Thema überhaupt angeboten werden muss. Lehrer, denen die Beschäftigung mit diesem empfindlichen Feld schwer fällt, können es in drei, vier Stunden abhandeln; Klassenarbeiten werden darüber nicht geschrieben.

Schon an der Grundschule sind alle Vokabeln bekannt

Auch über die genauen Inhalte des Unterrichts werden nur recht allgemeine Aussagen getroffen. Im Fall der Grundschullehrpläne aus dem Jahr 2007 unter der CDU-Bildungsministerin Karin Wolff sind die Formulierungen so vage gehalten, dass Grundschullehrerinnen und -lehrer nach der Veröffentlichung reihenweise protestierten. „Nach diesem Lehrplan dürfen Körperteile nicht mehr benannt und über die Zeugung darf nicht mehr gesprochen werden“, berichtet eine Frankfurter Grundschuldirektorin. „Die Kinder haben aber schon in der dritten, vierten Klasse so abstruse Fragen und Vorstellungen, dass man das Thema natürlich doch behandeln muss. Dafür haben wir hervorragendes Unterrichtsmaterial, das wir allerdings nicht benutzen dürfen.“ Für die Lehrer stelle sich darum die Frage, wie sie das Thema überhaupt sinnvoll unterrichten sollten. Viele Lehrer stellen darum eigene Materialien auf den Elternabenden vor, um das Thema dann so anbieten zu können, wie sie es für richtig halten. „Vieles ist nach Absprache möglich, und die meisten Eltern sind ja sogar froh, wenn wir uns sachkundig im Unterricht damit befassen“, sagt die Grundschuldirektorin.

Das hat man inzwischen auch im Bildungsministerium erkannt, wo im Juni vergangenen Jahres die FDP-Politikerin Nicola Beer das Amt übernahm. „Vor allem im Grundschulbereich hinken wir der Realität hinterher“, heißt es dort nun. Im nächsten Jahr sollen die Sexualkunde-Lehrpläne für alle Schulformen überarbeitet werden. Sie sollen moderner werden - und konkreter: „Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass Jugendliche heute gerade wegen des vollkommen ungefilterten Internetangebots handfeste Informationen brauchen, und dass sich auch das Familienbild verändert“, sagt ein Ministerialbeamter.

In den Schulen findet diese Auseinandersetzung - notgedrungen - längst statt. Die Direktorin der Frankfurter Mittelschule, in der das Thema gerade behandelt wird, formuliert es so: „Viele Eltern bekommen gar nicht mit, was in den Cliquen und sozialen Netzwerken ihrer Kinder vor sich geht. Und wenn sie es doch mitkriegen, sind sie oft hilflos.“ Eine Erfahrung, die sie nicht nur an ihrer Schule gemacht hat, sondern auch an einer Grundschule in der hessischen Provinz und an einem Gymnasium in einer Kleinstadt, wo sie zuvor unterrichtet hatte. „Das soziale Milieu spielt da kaum eine Rolle. Schon bei Erstklässlern sind heute alle relevanten Vokabeln bekannt. Viertklässler haben Fragen, dass einem glatt die Tränen kommen könnten. Und Gymnasiasten wissen genauso Bescheid wie Mittelschüler, sie haben oft nur ein besseres Gespür dafür, welche Sprache und welches Benehmen wo angemessen sind.“

Die „Generation YouPorn“

Sie und ihre Kollegen fragten sich daher oft, ob es sich bei der sexualisierten Sprache der Jugendlichen nicht nur um einen Gestus handele, eine Jugendkultur, die mit den realen Vorgängen gar nicht viel zu tun habe. „Aber selbst wenn es so wäre, bleibt doch die Frage, wie weit und wie lange man diesem Verfall der Sprache und der Umgangsformen zusehen will. Selbst wenn ,geil‘ heute nur noch ,super‘ heißt: Als älterer Mensch zuckt man doch jedes Mal zusammen, wenn man es hört.“

Die Kluft, die sie beschreibt, ist für die heutige Schülergeneration allerdings so tief wie nie zuvor. Jugendliche wachsen in einer Kultur systematischen Tabubruchs und aggressiver Nacktheit auf, die sich ihnen täglich aufdrängt, und zwar überall. Im Fernsehen plappern platinblondierte Verschnitte aus Verona Feldbusch und Lilo Wanders am helllichten Tag über ihre Brustimplantate. In Nachrichtenmagazinen wird seitenweise „Aufklärung“ abgedruckt, die in Wort und Bild keine Fragen mehr offenlässt. Auf dem Christopher-Street-Day stecken Homosexuelle einander demonstrativ die Zunge in den Hals. Bordelle preisen an jeder Straßenecke mit Pappaufstellern „Massagen“ an. Und in edlen Parfümerien wirbt die Popsängerin Lady Gaga praktisch nackt für ein Parfüm, das nach ihrer eigenen Beschreibung „nuttig“ riecht.

Was sollen Jugendliche aus diesem „Angebot“ schließen? Oder aus der Tatsache, dass sie dieser Kultur oft selbst einfach hinzugerechnet werden - und zwar wiederum in den Medien? Dann werden sie als hemmungslose „Generation YouPorn“ beschrieben, in der sich angeblich jeder dritte Junge und mehr als jedes zweite Mädchen die Schamhaare rasiert, in der Kinder einander Pornofilme auf die Handys schicken und mit 13 Jahren sexuelle Erfahrungen sammeln wie Sprüche im Poesiealbum, über die anschließend freimütig auf Facebook berichtet wird.

Jugendliche gehen nicht leichtfertig mit Sexualität um

Die jungen Mädchen, um die es geht, machen sich auf all das ihren eigenen Reim. Sie sind dreizehn, vierzehn Jahre alt und spielen in einem Frankfurter Fußballverein in einer gemischten Jugendmannschaft. Nennen wir sie Lulu, Nastja, Jay-Jay und Arielle, denn diese Namen haben sie sich für das Interview ausgesucht. Für das Thema Sexualität interessieren sie sich bisher eher theoretisch als praktisch. „Der einzige Pornofilm, den ich je gesehen habe, den habe ich im Bio-Unterricht gesehen“ sagt Nastja. „Die Mädchen sind alle rausgegangen, das war ja so ekelhaft! Aber die Jungen waren natürlich fasziniert.“ „Ja, klar“, sagt Arielle, „und dann kommt so einer auf dem Schulhof an und sagt, ,na, schmeckt dir die Banane?‘ und grinst so blöd. Da drehe ich mich doch nur um und gehe weg und denke mir: Was für ein Idiot. Wer will schon solche notgeilen Typen.“

„Aber Jungs sind in dem Alter so“, sagt Jay-Jay. „Mädchen doch auch!“ Lulus Augen blitzen. „Also, im Inneren sind sie bestimmt noch kleine Kinder, die heimlich mit Pokemons spielen“, legt Jay-Jay nach. „Ja, aber dann! Dann versuchen die ständig, ein Mädchen abzuschleppen. Das fängt so mit 14 an. Das geht das ganze Leben so weiter. So alte Knacker gucken den Mädels dann doch immer noch so auf den Po“, sagt Arielle. Einen Moment herrscht Schweigen. Alle denken nach. „Also, ich bin froh, dass ich kein Junge bin“, sagt Nastja schließlich. Da nicken sie, stehen auf und gehen sich Umziehen zum Fußballspielen.

Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2010 zeigen, dass Jugendliche in Deutschland nicht leichtfertig mit dem Thema Sexualität umgehen. Das Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr liegt derzeit bei 15 Jahren. Der Anteil vierzehnjähriger Jungen, die angaben, schon Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, lag 2005 bei zehn Prozent. Fünf Jahre später trafen nur noch vier Prozent der Befragten diese Aussage. Bei den Mädchen sank der Anteil von zwölf auf sieben Prozent. Ein Drittel der Achtzehnjährigen hatte noch gar keinen Geschlechtsverkehr. Weiter ergab die Befragung der Bundeszentrale, dass die meisten Jugendlichen für den ersten Geschlechtsverkehr auf einen festen Partner warten, und dass sie dann auch besser verhüten denn je.

„Germany’s next Topmodel“ beeinflusst das Körperbild

Der Einfluss pornographischer Darstellungen und einer insgesamt übersexualisierten Medienwelt auf Verhalten und Selbstbild von Jugendlichen ist dennoch heftig umstritten. Für die Protagonistinnen der Frauenbewegung der siebziger Jahre liegt er auf der Hand: „Pippi Langstrumpf, die Rote Zora und die Wilden Hühner sind out“, schreibt beispielsweise die österreichische Publizistin und frühere „Emma“-Redakteurin Ingrid Strobl im März dieses Jahres in der Zeitschrift „Psychologie heute“. Sie konstatiert eine „Wiederbelebung herkömmlicher Geschlechtsstereotypen“ durch das pornographische Schönheitsideal, dem sich vor allem Mädchen unterwürfen. „Wie ist es möglich, dass 40 Jahre nach der Hoch-Zeit der neuen Frauenbewegung Mädchen und Frauen in einem Maß sexualisiert werden wie nie zuvor in der Geschichte?“, fragt die Autorin.

Ihre Antwort: Es handele sich um Widerstand gegen das zunehmende Selbstbewusstsein vieler Frauen in Form eines „radikalisierten Sexismus“. „Frauen bestimmen selbst über ihre Sexualität? In den Pornofilmen werden sie brutal vergewaltigt. Mädchen spielen Fußball und übertreffen die Jungs in der Schule? Die Models werden immer dünner, die Röcke immer kürzer, die Pop-Idole stylen sich immer ,nuttiger‘.“

Die Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt, Christine Freitag, bestreitet dagegen einen solchen Zusammenhang: „Es gab zu jeder Zeit einen großen gesellschaftlichen Anpassungsdruck auf Jugendliche. Die Frage, wie man Kinder dazu erzieht, nein zu sagen, stellt sich Eltern schon lange. Kinder werden heute sogar stärker als früher dazu erzogen, selbst über sich und ihren Körper zu bestimmen.“ Auch sei in Studien gut nachgewiesen, dass Pornographie die meisten Jugendlichen nicht interessiert beziehungsweise von ihnen sogar als abstoßend empfunden wird.

Eine andere Entwicklung bewertet die Psychologin dagegen als um so besorgniserregender: „Das Körperbild von Jugendlichen wird massiv durch Sendungen wie ,Germany’s next Topmodel‘ beeinflusst. Wir haben immer mehr Jungen und Mädchen mit Essstörungen. Hier sehen wir direkte, negative Auswirkungen von medialen Darstellungen, die nicht der Realität entsprechen.“ Das beobachtet auch die Frankfurter Ärztin Julia Fries. Sie hält für die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau seit sechs Jahren gynäkologische Gesprächsstunden in Frankfurter Schulen ab - und geht in ihrer Einschätzung noch einen Schritt weiter. „Der kritische Blick auf den eigenen Körper betrifft nicht mehr nur die Ästhetik oder das Gewicht, sondern erstreckt sich oft bis auf die Frage, wie die intimen äußeren Geschlechtsorgane auszusehen haben. Das Internet hat dafür Vergleichsmöglichkeiten geschaffen, die es früher gar nicht gab. Hinzu kommt der mediale Kult um die Intimrasur. Wenn dann ein Mädchen nach der Stunde zu mir kommt, alle Türen schließt und mich fragt, ob es normal sei, dass ihre Schamlippen nicht gleich lang sind und ob man das operieren müsse, dann ist das schon traurig.“

Quelle: F.A.Z.
Susanne Kusicke  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Susanne Kusicke
Redakteurin der Politik.
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