„Spiegel“-Gründer Augstein unterstützte Dutschke finanziell
Der Gründer des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Rudolf Augstein, hat den Studentenführer Rudi Dutschke finanziell unterstützt. Das berichtete der „Spiegel“ am Freitag. Die finanzielle Unterstützung geht aus bisher unbekannten Geheimdienstakten sowie Unterlagen des Verlags hervor.
Dutschke war ein politischer Aktivist und gilt als Wortführer der studentischen Proteste der sechziger Jahre in West-Deutschland. Im April 1968 schoss ihn ein Neonazi in den Kopf. Er erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen, die er nur knapp überlebte. Elf Jahre später starb Dutschke an den Spätfolgen seiner Hirnverletzung.
1969 schrieben drei Freunde Dutschkes dem „Spiegel“-Gründer Augstein und baten um eine Spende von 50.000 Mark für „Rudi und seine Familie“. Dutschkes Freunde wollten damit dessen Dissertation finanzieren. Für Augstein schien es offenbar selbstverständlich, den jungen Mann zu unterstützen. Er antwortete: „Es ist klar, dass ich in der einen oder anderen Form helfe.“
Ein Jahr später begann Augstein dem „Spiegel“ zufolge, jährlich 1000 Mark an Dutschke und seine Familie zu überweisen. Bis 1973 wurde die Familie demnach von dem Verleger unterstützt. Mit den Worten „Wir sagen Ihnen dafür ernsten, roten Dank“ soll Dutschke seine Dankbarkeit ausgedrückt haben.
Aus den monatlichen Spenden habe sich ein Briefwechsel zwischen Augstein und Dutschke ergeben, berichtete der „Spiegel“. Die beiden diskutierten demnach auch über die Studentenrevolte. „Sie sind zu sehr Philosoph, ich zu wenig“, soll Augstein geschrieben haben.
Das West-Berliner Landesamt für Verfassungsschutz wurde dem Nachrichtenmagazin zufolge von mehreren Quellen über die finanzielle Unterstützung Dutschkes durch den Verleger informiert – von Quellen aus der Studentenbewegung sowie von britischen und dänischen Geheimdiensten.