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Jahrestag des Mauerbaus

Steinmeier fordert „Solidarpakt der Wertschätzung“

Von Peter Carstens, Berlin
 - 17:57
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Auftakt der Gesprächsreihe „Geteilte Geschichte(n)“ am Dienstag in Berlin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Deutschen eingeladen, dreißig Jahre nach dem Mauerfall und der darauf folgenden Einheit miteinander „einen ganz neuen Solidarpakt zu schließen“. Außerdem warf er der AfD, ohne sie beim Namen zu nennen, vor, im Wahlkampf das Erbe von 1989 für eine „perfide Verdrehung der Geschichte“ zu missbrauchen. Der Mut der Bürgerinnen und Bürger, die damals in der DDR die Freiheit erkämpften, verdiene mehr Anerkennung, sagte Steinmeier am Dienstag anlässlich des Tages des Mauerbaus in Berlin.

„Wir brauchen einen neuen, einen ganz anderen Solidarpakt – einen der offenen Ohren und des offenen Austauschs, einen Solidarpakt der Wertschätzung.“ Das bedeute zuallererst, sich Rechenschaft über die Verdienste der friedlichen Revolutionäre von damals abzulegen: „Sie haben deutsche Demokratiegeschichte geschrieben.“

Der Umbruch, so Steinmeier in Erinnerung an die Wendezeit in der DDR und dann im vereinten Deutschland, wirke bis heute fort. „Wer seine Arbeit verlor, mehrmals umschulen musste, wer sich an marktwirtschaftliche Logik – und deren Auswüchse – erst gewöhnen musste und gleichzeitig eine Familie zu versorgen hatte, der schaut heute anders auf unser Land als einer, der von solchen Umbrüchen verschont wurde.“

Steinmeier warb dafür, die Geschichte jener Zeit nicht als eine einzige zu sehen, sondern als eine Vielzahl von Geschichten aus vielfältigen Blickwinkeln. Er selbst sei ja im Westen aufgewachsen und habe dann in Brandenburg fast ein Jahrzehnt lang seine politische Heimat gefunden und dort viel Neues kennengelernt. Nichts davon wolle er missen. Jeder müsse aber selbst auf sein Leben und seine Geschichte blicken. „Das zu bewerten ist nicht Sache des Bundespräsidenten.“

Steinmeier sprach zum Auftakt der Gesprächsreihe „Geteilte Geschichte(n)“ im Schloss Bellevue. An die Adresse der AfD, die in Brandenburg mit Parolen der Wendezeit wirbt, sagte er: Gesiegt hätten damals diejenigen, die Demokratie und Freiheit wollten, nicht Nationalismus und Abschottung. „Wenn politische Gruppierungen im Wahlkampf versuchen, das Erbe von 1989 für ihre Angstparolen zu stehlen, dann ist das eine perfide Verdrehung der Geschichte“, sagte der Bundespräsident

In seiner Rede am Jahrestag des Mauerbaus erinnerte der Bundespräsident an die Mauer als ein „Schandmal aus Beton und Stacheldraht“, das Leid und Unglück über viele Menschen gebracht habe. Die Fluchtbewegung aus der Diktatur und der Freiheitswille der Menschen hätten jedoch nicht erstickt werden können, so Steinmeier.

In Berlin-Mitte wurde am Dienstag an die Opfer der deutschen Teilung bei einer Andacht in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen erinnert. An dem Gedenken nahmen neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) auch die Vizepräsidentin des Bundestags Petra Pau (Linke) teil. Müller hatte zu dem Jahrestag erklärt, neben Jubel und Freude über den Fall der Grenzen vor 30 Jahren dürften die Toten und Opfer nicht vergessen werden. „Beide Erinnerungen gehören zusammen.“

Die Berliner Mauer wurde vom 13. August 1961 an gebaut. Die etwa 155 Kilometer lange Anlage zerschnitt Berlin und umfasste seinen Westteil mehr als 28 Jahre. Zaun und Todesstreifen teilten Deutschland bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989.

Quelle: F.A.Z.
Peter Carstens - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Carstens
Politischer Korrespondent in Berlin
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