FAZ plus ArtikelFünf Jahre nach der Sturzflut

Wie der Wiederaufbau zur Chance wurde

Von Rüdiger Soldt, Braunsbach
26.07.2021
, 05:59
Einst ein reißender Strom: Im Mai 2016 führte der Orlacher Bach 500-mal so viel Wasser wie üblich und schob eine gewaltige Geröllmasse vor sich her.
Vor fünf Jahren wurde Braunsbach durch ein Extremwetterereignis zerstört. Die Bürger haben den Ort wieder aufgebaut – und vieles zum Guten verändert.
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Bei den Eberweins steht seit fünf Jahren das Schild „Feuerwehr im Einsatz“ im Fenster. Am 29. Mai 2016 türmte sich vor dem Haus der Familie in der Schlossstraße in Braunsbach eine Masse aus Geröll, Schotter und Baumstämmen auf. Sie war so hoch, dass die Eberweins das Feuerwehr-Schild von außen in das Fenster im ersten Stock stellen konnten – ohne Leiter. Braunsbach, eine Gemeinde mit etwa 1000 Einwohnern in der Region Hohenlohe im Landkreis Schwäbisch Hall, wurde an dem Sonntagabend im Mai vor fünf Jahren von einer Sturzflut heimgesucht. Sie ähnelte der in Schuld, Ahrweiler und Bad Münstereifel vor wenigen Tagen, doch das Ausmaß der Verwüstung mutet im Vergleich zu den Katastrophengebieten heute fast niedlich an.

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Die Sturzflut in Braunsbach, die sich durch die Orlacher Straße, die Wolfsklinge und den Schlossbach ins Tal wälzte, war drei Meter hoch und dauerte 45 Minuten. Nur weil eine Urlaubergruppe auf einem nahe gelegenen Campingplatz am Tag zuvor ihre Zelte abgebrochen hatte, gab es keine Toten. „Bis gegen 20.45 Uhr der Höhepunkt der Sturzflut erreicht war, durchlebte ich die längste halbe Stunde meines Lebens. Es war, als erlebte ich den Weltuntergang. ... Dort, wo eigentlich die Straße hätte sein sollen, befand sich eine Art von postapokalyptischer Gebirgslandschaft“, schrieb der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch später in seinem Buch „Die Sturzflut“.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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