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Bürgermeister aus Thüringen

„Das ist nicht mehr meine CDU“

Von Gustav Theile
07.02.2020
, 14:40
Hendrik Knop ist Ortschaftsbürgermeister Kornhochheims in Thüringen, sitzt im Gothaer Kreistag und im Gemeinderat der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt. Jetzt ist er aus der CDU ausgetreten. Bild: Hendrik Knop
Er war mehr als 20 Jahre lang Mitglied der CDU Thüringen, ist Ortschaftsbürgermeister und sitzt im Kreistag: Jetzt ist Hendrik Knop aus der CDU ausgetreten. Im Gespräch erklärt er seine Entscheidung und zu welcher Partei er jetzt wechselt.
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Herr Knop, Sie kommen aus Thüringen, sind Ortschaftsbürgermeister, sitzen in Gotha im Kreistag und im Gemeinderat. Jetzt sind Sie aus der CDU ausgetreten. Warum?

Ich bin ausgetreten, weil die Wahl Kemmerichs ein absoluter Schock war. Ich habe schon im Wahlkampf mit meinem Gewissen gehadert. Die Plakate waren in Blau gehalten, da wurde klar nach rechts geblinkt. Auch hatte man das Gefühl, dass die Themen fast abgeschrieben waren. Nach der Wahl wurde dann nach rechts und links geschaut. Für mich war die Wahl von Kemmerich mit Hilfe der AfD der Punkt zu sagen: Das ist nicht mehr meine CDU. Also habe ich meinen Austritt formuliert. Das ist mir sehr schwer gefallen, weil ich lange auf Ortsebene aktiv war.

Wie erklären Sie sich das Ergebnis?

Da ich nun länger in der Politik bin, behaupte ich: So etwas passiert nicht so spontan. Hinzu kommt: Das war ein Kandidat der FDP, die nur knapp in den Landtag eingezogen ist. Den wählt man nicht als Ministerpräsidenten. Dann stimmt man noch mit einer faschistischen Partei. Im Übrigen hätte Herr Kemmerich auch ablehnen können. Das ist nicht erfolgt. Der Tabubruch ist passiert.

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Hätte die CDU für Ramelow als Ministerpräsidenten stimmen sollen?

Sie hätten sich enthalten können. Oder sie hätte einen eigenen Kandidaten aufstellen können. Rein politisch betrachtet hätte sie mit Rot-Rot-Grün als Minderheitsregierung alle Karten in der Hand gehabt. Selbst der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Dieter Althaus (CDU) als ehemaliger Ministerpräsident haben dazu angeregt.

Was halten Sie von Ramelow?

Ich komme mit ihm gut zurecht. Er ist auch Pfadfinder. Wir haben ihm die St. Georgs-Plakette verliehen, weil er sich in der Öffentlichkeit als Pfadfinder bekennt. Ramelow war ein sehr guter Ministerpräsident für Thüringen. Er konnte zwischen Amt und Partei unterscheiden.

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Es gibt Austritte aus der CDU. Glauben Sie, dass es Auflösungserscheinungen in der Thüringer Landespartei geben wird?

Das kann ich nicht einschätzen. Ich bin auf Orts- und Kreisebene aktiv, das Entsetzen war auch bei anderen da. Es wird auch Leute geben, die das gut fanden. Das ist das Wesen einer Volkspartei, dass es viele Einschätzungen gibt. Natürlich habe ich aber auch vor denen Achtung, die sich innerhalb der Union weiter für Demokratie einsetzen.

Machen Sie den Thüringer CDU-Chef Mike Mohring persönlich verantwortlich?

Ja, er trägt die Verantwortung. Das bringt das Amt mit sich.

Was hätten Sie sich von der Bundespolitik gewünscht?

Ich hätte mir im Voraus gewünscht, gegenüber einer Linkspartei, die schon längst nicht mehr das Schreckgespenst aus der Zeit der SED ist, offen zu sein. Ich finde es schlimm, die Linkspartei mit der AfD gleichzusetzen. Bei den Linken gibt es auch Extreme. Aber nach so vielen Jahren der Verantwortungsübernahme in Thüringen und anderswo kann man das nicht mehr gleichsetzen. Das ist die Schwäche der Bundesvorsitzenden: Sie hätte deutlicher machen müssen, dass die Wahl gemeinsam mit der AfD nicht geht. Annegret Kramp-Karrenbauer hat nun gesagt, dass sie damit nicht einverstanden ist.

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Sie können also nicht nachvollziehen, dass man die gleiche Distanz zur AfD wie zur Linkspartei halten möchte?

Ich sehe einen Unterschied zwischen einem politischen Mitbewerber wie den Linken, mit denen ich ja nicht gleich regieren muss, und der Extremrechten, bei der selbst der Verfassungsschutz Bedenken hat und bei der es Äußerungen gibt, die mit der Zeit von 1933 vergleichbar sind. Da sollte man schon einen Unterschied machen. Das Gespür sollte man 30 Jahre nach der Wende schon aufbringen können. Ich bin 1976 hier geboren, ich habe die Entwicklung miterlebt.

Die Linke hat sich also geändert?

Die Partei hat sich auf dem Weg von der SED zur Linken definitiv geändert. Ich habe die Wende sehr aktiv miterlebt und war natürlich froh, dass die SED-Kader abgedankt haben. Ich war begeistert von Kohl, Genscher und Brandt. 1998 bin ich in die CDU eingetreten, wollte selbst etwas mit aufbauen. Das war zu Zeiten des Spendenskandals. Damals war es nie eine Frage, ob man mit der PDS zusammen arbeitet. Aber inzwischen hat sich der Kurs der Linken geändert, nicht zuletzt weil sie ihre Rolle in der Zeit der DDR wissenschaftlich aufgearbeitet haben.

Welche Reaktionen haben Sie bisher auf Ihren Austritt erhalten?

Es gab eine ganze Menge. Von Parteifreunden, die ähnlich denken, und von anderen, die es gar nicht verstehen. Auch politische Konkurrenten haben sich gemeldet. Ich habe den Schritt öffentlich gemacht, um meine Wähler zu informieren. Allen, die in der CDU bleiben wollen, wünsche ich viel Kraft, das Beste daraus zu machen. Ich gehe nicht im Groll und hoffe für die Zukunft der Christdemokraten, dass sie sich ihrer Werte wieder bewusst werden.

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Wie geht es für Sie jetzt politisch weiter?

Ich bleibe Ortschaftsbürgermeister. Ich habe lange überlegt, aber ich werde die Mandate behalten. Ich bin ja auch als Person aufgetreten und habe Versprechen gemacht. Ich stehe für Themen, die ich weiterentwickeln möchte. Mein Wahlcredo war: Weltoffenheit, gemeinsam, Zukunft. Und ich habe jetzt bei Bündnis 90/Die Grünen angefragt, ob die sich vorstellen können, mich aufzunehmen. Ich würde gern für die Menschen weiter arbeiten, denen ich ein Versprechen gegeben habe.

Warum die Grünen?

Die Partei steht für eine weltoffene Politik, die mir als Pfadfinder wichtig ist. Die wollen nach vorne gehen, sich den Herausforderungen der Klimapolitik stellen, und für die Menschen, egal welcher Religion, Hautfarbe, Rasse, gemeinsam Ziele gestalten und aufeinander zugehen.

Zur Person

Hendrik Knop ist Ortschaftsbürgermeister von Kornhochheim, einem Ortsteil der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt. Diese liegt zwischen Erfurt, Gotha und Arnstadt in der Mitte Thüringens. Er ist 43 Jahre alt und kommt gebürtig aus Erfurt. Knop ist Geschäftsführer eines Pflegedienstes.

Quelle: FAZ.NET
Gustav Theile
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