Urteil des Bundesgerichtshofs

Gentests an Embryonen erlaubt

06.07.2010
, 17:33
Diese mikroskopische Aufnahme zeigt eine menschliche Eizelle, die in einem Dresdner Speziallabor zu Demonstrationszwecken injiziert wird
Die Untersuchung von Embryonen auf Erbkrankheiten außerhalb des Mutterleibs, die sogenannte Präimplantationsdiagnostik, verstoße nicht gegen das Embryonenschutzgesetz, hat der Bundesgerichtshof entschieden. Ärzte dürfen Embryonen mit Gendefekt absterben lassen.
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Aus künstlicher Befruchtung entstandene Embryonen dürfen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersucht werden. Das folgt aus einem Urteil, mit dem der 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofs in Leipzig den Freispruch eines Berliner Arztes bestätigten, der im Bereich der Präimplantationsdiagnostik (PID) tätig ist.

Er hatte in den Jahren 2005 bis 2006 bei drei Paaren im Reagenzglas befruchtete Eizellen auf genetische Auffälligkeiten hin untersucht; einer der Partner trug jeweils eine genetische Belastung. Embryonen mit Gendefekt ließ der Frauenarzt absterben und zeigte sich selbst an. Das Landgericht Berlin sprach ihn 2009 frei; PID verstoße nicht gegen das Embryonenschutzgesetz; die Berliner Staatsanwaltschaft hatte Revision eingelegt. Dieses Urteil bestätigte nun der 5. Strafsenat des BGH; nach Wortlaut und Geschichte des Gesetzes aus dem Jahr 1990 sei PID „zur Entdeckung schwerer genetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos“ nicht strafbar.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, Jan-Steffen Krüssel, begrüßte das Urteil. Er befürchte keinen Dammbruch, sagte er im MDR. Das Mitglied des Deutschen Ethikrates, der ehemalige evangelische Thüringer Landesbischof Christoph Kähler, sagte hingegen, er wolle sich gar nicht vorstellen, was geschehe, wenn „die Barrieren einfach beiseite geräumt werden“. Bereits die sogenannte Pränatal-Diagnostik zeige „ziemlich problematische Entwicklungen“.

Für den Einsatz von Gentests gelten in Deutschland  enge Grenzen. Gentests aus medizinischen Gründen dürfen nur von einem Arzt vorgenommen werden. Erlauben Untersuchungen eine Voraussage über die Gesundheit eines Menschen oder eines ungeborenen Kindes, ist eine Beratung künftig vorgeschrieben.
Für den Einsatz von Gentests gelten in Deutschland enge Grenzen. Gentests aus medizinischen Gründen dürfen nur von einem Arzt vorgenommen werden. Erlauben Untersuchungen eine Voraussage über die Gesundheit eines Menschen oder eines ungeborenen Kindes, ist eine Beratung künftig vorgeschrieben. Bild: dpa

Bundesanwalt: Keine Straftatbestände

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Bundesanwalt Hartmut Schneider sagte, der Arzt habe nicht strafbar gehandelt, sein Hauptzweck sei das Herbeiführen ein Schwangerschaft gewesen. „Es steht nicht im Gesetz, dass alle befruchteten Eier übertragen werden müssen.“ Außerdem überlasse das Gesetz den betroffenen Frauen alle Entscheidungsfreiheit. Die PID müsse aber Grenzen haben und dürfe nicht missbraucht werden.

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Die Verteidigung des Berliner Mediziners argumentierte unter anderem, bei der PID geschehe nichts anderes als bei einer genetischen Untersuchung des Embryos während der Schwangerschaft.

Erst einpflanzen, dann abtreiben?

Nach der Logik der Berliner Staatsanwaltschaft hätten die defekten Embryonen erst eingepflanzt werden müssen, um sie später abzutreiben, sagte er. „Das kann nicht der Sinn des Embryonenschutzgesetzes sein.“ Er betonte die Grenzen, die das Gesetz zieht: „Es darf nicht am Embryo geforscht werden, es darf nicht mit Embryos gehandelt werden.“ Genau diese Zwecke stelle das Gesetz unter Strafe.

In anderen Ländern wie Großbritannien, Spanien und Belgien ist die PID unter unterschiedlichen Bedingungen erlaubt. Kritiker fürchten, dass die Methode nicht nur für Tests auf schwere Erkrankungen genutzt werden könnte, sondern dass am Ende das „Designer-Baby“ steht - ausgewählt vielleicht nach Haar- oder Augenfarbe und Geschlecht. Gentests dürfen in Deutschland während der Schwangerschaft vorgenommen werden. Wird eine schwere Erkrankung diagnostiziert, darf auch in einer späten Schwangerschaftsphase abgetrieben werden.

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Quelle: FAZ.NET/F.A.Z.
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