FAZ plus ArtikelVor Landtagswahl in NRW

Union und SPD buhlen um Grüne und FDP

Von Reiner Burger, Düsseldorf
20.11.2021
, 19:25
Ein halbes Jahr zur Profilierung: der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
Auch in Nordrhein-Westfalen spricht bei der Landtagswahl im Mai 2022 viel für ein Dreierbündnis. Der neue CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat nicht viel Zeit – und einen plötzlich erstarkten Herausforderer.
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Es ist erst wenige Monate her, da hätte kaum ein Genosse darauf gewettet, dass die SPD in Nordrhein-Westfalen die Chance haben könnte, im Mai 2022 nach nur einer Legislaturperiode wieder an die Macht zu kommen. Noch im Frühjahr dümpelte der mit Abstand größte SPD-Landesverband in Umfragen bei 18 Prozent. Ähnlich wie im Bund schien es auch in Nordrhein-Westfalen auf ein Rennen um Platz eins zwischen CDU und Grünen hinauszulaufen. Aktuell aber profitieren die Sozialdemokraten vom bundesweiten Trend. 25,7 Prozent erzielte die SPD bei der Bundestagswahl. Das ist bemerkenswerter Weise auf die Kommastelle so viel wie 2013. Was vor acht Jahren als Desaster wahrgenommen wurde, gilt heute als klarer Regierungsauftrag – und gibt der nordrhein-westfälischen SPD kräftig Rückenwind. Bei 31 Prozent steht sie nun in einer Umfrage im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks; die CDU (die im Januar bei demselben Institut auf 37 Prozent kam), ist auf 22 Prozent abgestürzt.

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Zwar gäbe es derzeit eine (sehr knappe) rot-grüne Mehrheit, doch als realistischste Option gilt unter Sozialdemokraten die Ampel. Als die damalige SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft im Sommer 2010 dabei scheiterte, ein solches Dreierbündnis zu schmieden, lag das vor allem an der Unverträglichkeit von Grünen und FDP. Vergleichbar tiefe Gräben wie seinerzeit existieren zwischen den beiden Parteien heute nicht mehr. Gibt es in Berlin eine Ampel, dann stünde einer gleichfarbigen Koalition nach der Landtagswahl endgültig kaum noch etwas im Weg – wenn die SPD mit ihrem 53 Jahre alten Spitzenkandidaten Thomas Kutschaty im Mai wirklich stärkste Kraft wird.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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