Zu späte Evakuierung?

Verantwortung zeigen

EIN KOMMENTAR Von Mona Jaeger
02.08.2021
, 07:39
Flut der Zerstörung: In Altenahr laufen Einsatzkräfte an einem Haus in Trümmern vorbei.
Im Kreis Ahrweiler gab es viele Tote durch das Hochwasser. Der Landrat muss schleunigst erklären, warum auf die präzisen Vorhersagen zur Gefahr der Flut nicht schnell und angemessen reagiert worden ist.
ANZEIGE

Landräte sind Grüßonkel auf Schützenfesten – kein Eindruck könnte falscher sein. In der Not, wenn es um Leben und Tod geht, sind sie die ersten Krisenmanager vor Ort. Nun leben Landräte glücklicherweise nicht im permanenten Krisenmodus. Aber im Ernstfall, wie er mit den Wassermassen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit ungeheurer, verheerender Wucht ins Leben so vieler Menschen trat, müssen sie handeln.

ANZEIGE

Deswegen geht es neben der praktischen Hilfe in den verwüsteten Orten nun darum, aufzuklären, ob es institutionelles und auch personelles Versagen gab – und eventuelle Konsequenzen zu ziehen. Der Landrat des Ahrtals, wo es nach derzeitigem Stand 134 Tote durch das Hochwasser gab und massive Zerstörungen, muss schleunigst erklären, warum auf die präzisen Vorhersagen bezüglich der Wassermassen nicht schnell und angemessen reagiert worden ist.

Die Gefahr, die von Hochwassern ausgeht, darf aber auch dann nicht in Vergessenheit geraten, wenn erst mal die sichtbarsten Schäden beseitigt sind. Das gilt für Politik und Öffentlichkeit.

Es ist richtig, dass die Bundestagsfraktionen von FDP und Grünen eine baldige Sondersitzung des Bundestags zur Flut fordern. Flutwarnung und -hilfe sollten weiterhin dezentral organisiert werden. Aber der Bund kann Druck machen: damit jeder Landrat sich seiner Verantwortung im Ernstfall bewusst ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jaeger, Mona
Mona Jaeger
Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE