FAZ plus ArtikelDiskriminierung

Rassismus steckt in uns allen

EIN KOMMENTAR Von Justus Bender
14.06.2020
, 14:26
Demonstranten gegen Rassismus in Frankfurt am Main
Über Xenophobie wird oft gesprochen wie über einen seltenen Dämon. Dabei steckt sie in uns allen – ganz gleich, welche Hautfarbe wir haben. Menschen können aber lernen, diesen Instinkt zu reflektieren.

Ungerechtigkeit ist ein Gift, das schon in geringen Dosen wirkt. Nehmen wir an, Sie haben dunkle Haut und laufen durch einen Hauptbahnhof. Zwei Bundespolizisten kommen auf Sie zu, die Maschinenpistole locker umgehängt. „Guten Tag, wo geht’s denn hin?“ Sie murmeln den Namen irgendeiner Stadt. „Aha“, sagen die Polizisten. „Zeigen Sie bitte mal Ihren Ausweis oder Ihre Aufenthaltsgenehmigung. Routinekontrolle.“ Sonst nichts. Niemand reißt Sie zu Boden. Niemand spuckt Sie an. Sie zeigen den Ausweis, weil Sie keine Aufenthaltsgenehmigung haben, weil Sie in diesem Land geboren sind wie Hans Müller. Sie gehen weiter, wie die hundert Weißhäutigen, die nicht kontrolliert wurden und nie kontrolliert werden.

Man könnte eine Ausweiskontrolle für eine Lappalie halten. Das ist sie aber nicht. Die Irritation besteht nicht darin, für zwei Minuten aufgehalten worden zu sein. Es ist der Verdacht, von diesem Staat nicht für voll genommen zu werden. Alle Menschen sind in solchen Fragen empfindlich.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bender, Justus
Justus Bender
Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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