FAZ plus ArtikelDigitales Leben

Was kommt nach der Gesundheitskarte?

Von Florentine Fritzen und Frank Pergande
13.05.2018
, 11:17
Hat die Gesundheitskarte bald ausgedient?
Gesundheitsminister Jens Spahn sucht eine „coole“ Lösung für das Handy. Dabei wird gerade ein sicheres Netz für Patientendaten eingeführt. Die jahrelangen Investitionen könnten endlich volle Wirkung entfalten.
ANZEIGE

Für 72 Millionen Deutsche ist die Gesundheitskarte fester Bestandteil des Alltags: Wenn sie zum Arzt gehen, wird sie dort eingelesen. Das könnte sich bald ändern. Jedenfalls, wenn es nach Angela Merkel und Jens Spahn geht: Die Bundeskanzlerin hat dem neuen Bundesgesundheitsminister freie Hand gegeben, die elektronische Gesundheitskarte abzuschaffen. Die Karte sei nur eine mögliche Lösung, den Zugang zu Gesundheitsdaten zu gestalten, sagte Spahn der F.A.S. „Aber sie ist nicht die attraktivste für Patienten. Denn die wünschen sich einen schnellen, einfachen und sicheren Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten“ – nach der Überzeugung des Ministers am liebsten per Handy. „Das sollten wir ermöglichen.“ Für die Kanzlerin ist die Karte ein Beispiel für zu langsame, zähe Prozesse. Auf einer Veranstaltung mit CDU-Kreisvorsitzenden sagte sie, zwar habe die Karte schon eine Milliarde Euro gekostet – „aber ehe das nie funktioniert...“

ANZEIGE

Ärzte, aber auch der Koalitionspartner SPD sind einigermaßen fassungslos. Denn der Vorstoß Spahns und Merkels kommt just in dem Augenblick, in dem das vierzehn Jahre alte, technisch enorm aufwendige und lange verschleppte Projekt der Gesundheitskarte endlich seine volle Wirkung entfalten kann. Bis zum Jahresende sollen alle Arztpraxen an ein elektronisches Netz angeschlossen sein, das den hochverschlüsselten Austausch von Patientendaten zwischen Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken ermöglicht. Der Schlüssel zu diesem System mit extrem hohen Sicherheits- und Datenschutzstandards ist die Chipkarte der Krankenkasse. „Sie jetzt abzuschaffen wäre, wie einen endlich fahrenden Zug aufzuhalten“, kommentiert die Kassenärztliche Vereinigung. Und die erfahrene SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis sagt: „Die Karte ist zwar eine Never-ending-story. Aber die damit zu beenden, dass man zurück auf null geht, das ist nicht der richtige Weg.“

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
Autorenporträt / Pergande, Frank
Frank Pergande
Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE