Corona

So hat sich die Pandemie auf die Kriminalität ausgewirkt

Von Helene Bubrowski, Berlin
09.08.2022
, 19:09
Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen stehen am 29. August 2020 vor dem Reichstag, ein Teilnehmer hält eine Reichsflagge.
Wenn die Geschäfte zu sind, wird Ladendiebstahl schwer. Aber das Zuhause war für manche Kinder im Lockdown gefährlich. Das zeigt ein Bericht über die Kriminalitätslage in der Pandemie.
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Die gesellschaftlichen Auswirkungen von Lockdown, Home­office und Homeschooling lassen sich erst mit einigem Abstand ermessen. Schon im Frühjahr 2020 mutmaßte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, dass Isolation und Stress­faktoren wie Beengtheit, Existenzangst oder Spannungen zu einer Zunahme von Gewalt gegen Kinder führen könnten. Das ist statistisch nun belegt.

Nach dem Bericht über die Kriminalitätslage in der Pandemie, den das Bundeskriminalamt am Dienstag veröffentlichte, sind in den Jahren 2020 und 2021 deutlich mehr Kinder sexuell missbraucht worden als in den Vorjahren. Die Verfasser können einen Zusammenhang zwischen nied­riger Mobilität und erhöhten Fallzahlen belegen. 2021 wurden 15.507 Missbrauchsfälle registriert, das war ein Plus von 6,3 Prozent; zwischen 2019 und 2020 hatte es schon einen Zuwachs von 6,8 Prozent gegeben.

Noch deutlich stärker fiel der regis­trierte Zuwachs bei der Kinderpornographie aus: 2021 waren es 39 171 Fälle, was einem Anstieg um 108,8 Prozent entspricht; zwischen 2019 und 2020 war die Zahl bereits um 53 Prozent angewachsen. Allerdings lag die Tatzeit bei einem beträchtlichen Anteil der Fälle deutlich vor der Registrierung. Der An­stieg ist auch damit zu erklären, dass die deutschen Behörden mehr Hinweise über das amerikanische National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) bekommen haben. Zudem hat sich ein Phänomen verstärkt, das schon länger bekannt ist: Kinder und Jugendliche teilen über die sozialen Netz­werke kinderpornographisches Ma­te­rial, oft ohne zu wissen, dass sie eine Straftat begehen.

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Gewalt in Partnerschaften ist den re­gistrierten Daten zufolge in der Pandemie weniger stark gewachsen, als die Ermittler befürchtet hatten. Die absoluten Zahlen sind gleichwohl erschreckend. 2021 waren es 139.327 Fälle, ein Plus von 0,6 Prozent; gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl um ein Prozent ge­wachsen.

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Digitalisierung bedeutet mehr Angriffsfläche

Im Bereich Cybercrime ist der pro­gnostizierte Anstieg dagegen tatsächlich eingetreten. Bei der Cyberkriminalität im weiteren Sinne, also unter Nutzung des Internets als Tatmittel, gab es 2021 einen Anstieg von 19,7 Prozent. Seit 2019 wurde hier ein Drittel mehr Straftaten festgestellt. Die Fortschritte bei der Digitalisierung der Gesellschaft bedeuten vermehrte Angriffsmöglichkeiten für Cyberkriminelle.

Besonders im zweiten Pandemiejahr verzeichnet das Bundeskriminalamt ei­nen Anstieg im Zusammenhang mit den Coronaprotesten. Für das Jahr 2021 wurden insgesamt 9201 politisch motivierte Straftaten im thematischen Zu­sammenhang mit Corona gemeldet, das ist ein Mehr von 158,5 Prozent gegenüber 2020. 1971 Taten davon waren Ge­waltdelikte.

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Es gibt auch rückläufige Zahlen

In anderen Feldern ist die Kriminalität zurückgegangen. Es sind Delikte wie Ladendiebstähle, Taschendiebstähle oder Wohnungseinbrüche: Wenn die Menschen zu Hause sind und die Ge­schäfte geschlossen haben, gibt es weniger Gelegenheiten. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl hatten die Po­lizeien von Bund und Ländern in den Jahren vor der Pandemie durch eine neue Schwerpunktsetzung schon Erfolge erzielt. 2020 und 2021 sanken die Zahlen noch mal deutlich, das Bundeskriminalamt verzeichnet ein Minus von 36,6 Prozent. Die Anzahl von Ladendiebstählen sank 2021 um 10,2 Prozent. 2020 war sie schon um zwölf Prozent zurückge­gangen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bubrowski, Helene
Helene Bubrowski
Politische Korrespondentin in Berlin.
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