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Merkels Nachfolge

Die Generalsekretärin hat einen Gang hochgeschaltet

Von Eckart Lohse
 - 18:18
Seite an Seite mit Kramp-Karrenbauer: Wird Merkels Generalsekretärin auch ihre Nachfolgerin? Bild: dpa

Niemand kann in den Kopf von Angela Merkel schauen. Daher lässt sich nur vermuten, dass die Bundeskanzlerin in diesen Tagen mal 21 Jahre zurückgedacht und sich des 15. Oktobers 1997 erinnert hat. Da hatte ihr Vorvorgänger im Kanzleramt, Helmut Kohl, nach einem CDU-Parteitag in Leipzig in ein Mikrofon gesagt, dass er sich den Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Schäuble, als Nachfolger wünsche. Nicht etwa im Amt des CDU-Vorsitzenden sollte Schäuble Kohl nachfolgen. Nein, der von seiner Machtfülle überzeugte Kohl sagte: „Ich wünsche mir, das Wolfgang Schäuble einmal Bundeskanzler wird.“ Bekanntlich ist daraus nie etwas geworden. Nicht nur FDP und CSU kritisierten Kohl, auch aus der CDU bekam er Gegenwind. Dabei ging es weniger darum, dass Schäuble nicht gewollt wurde, sondern um den Zeitpunkt der Äußerung und Kohls eigenmächtiges Vorgehen. Der bayerische Finanzminister und CSU-Politiker Erwin Huber brachte es auf den Punkt, es gebe keine „Erbmonarchie“, in der solche Fragen im Alleingang entschieden würden.

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Merkel, die damals schon das zweite Ministeramt in einer Regierung Kohl innehatte, also bereits ein paar Jahre am Kabinettstisch saß, konnte genau beobachten, wie man die Chancen eines möglichen Nachfolgers, tatsächlich ein solcher zu werden, nicht vergrößert. Sei es, dass man das genau so will, sei es, weil man einen Fehler macht. Heute, da auch in der Union immer offener über das Ende ihrer Amtszeit nachgedacht wird, macht sie es anders als Kohl mit Schäuble. „Alle Versuche, dass diejenigen, die heute oder in der Vergangenheit tätig waren, ihre Nachfolge bestimmen wollen, sind immer total schiefgegangen, und das ist auch richtig so“, sagte sie im Hessischen Rundfunk. Merkel hat also keineswegs die Frage der sie interviewenden Journalisten nach ihrer politischen Vergänglichkeit als abwegig hingestellt. Sie hat nur klargemacht, dass sie zu Nachfolgefragen keine Namen nennen will.

Quelle: F.A.Z.
Eckart Lohse
Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
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