FAZ plus ArtikelK-Frage der Union

Wie Franz Josef Strauß 1979 Kanzlerkandidat wurde

Von Georg Paul Hefty
17.04.2021
, 08:50
Auf Drängen der CSU entschied 1979 die Bundestagsfraktion der Union über den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU. Aus dem Ergebnis können die beiden Parteien eine Lehre ziehen.

Am 2. Juli 1979 hat die CDU/CSU-Fraktion des Bundestages den fragwürdigsten Beschluss in ihrer Geschichte gefällt. Die damals Anwesenden sind längst im Ruhestand, viele sind schon gestorben. In der Erinnerungsliteratur beschreiben die einen ihren Triumph, die anderen suchen ihre Niederlage zu mildern. Nur Historiker wie der CDU-Forscher Hans-Peter Schwarz, die allerdings nicht anwesend waren, lassen die Härte der Auseinandersetzung erkennen. Sie wird als „Feldschlacht“ bezeichnet, die „um 16.03 beginnt und um 23.23 Uhr endet“. In diesen Stunden galt die Aufmerksamkeit dem Gesicht des Fraktionsvorsitzenden Helmut Kohl – mit der Frage des jungen Politikwissenschaftlers: Wie hält er das durch, wie bewältigt er das?

Was ist geschehen? Im Frühjahr hatte der CDU-Vorsitzende Kohl erkannt, dass er keine Aussicht habe, unangefochten zum Kanzlerkandidaten der Union gekürt zu werden. Denn der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß verübelte ihm noch immer seine einseitige Ausrufung zum Kanzlerkandidaten vier Jahre zuvor, darüber hinaus hielt er ihn grundsätzlich „charakterlich und geistig“ für ungeeignet. Zugleich waren die Umfragezahlen für Kohl wie für die Unionsparteien nicht gut. Also schlugen Kohl und die CDU-Führung den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der in den Medien gehätschelt wurde, zum Kanzlerkandidaten vor. Dies erzürnte Strauß doppelt, denn er hatte dabei nicht mitbestimmen können.

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