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Mentoren-Methode des IS

Ferngesteuerter Terror

Von Reiner Burger, Düsseldorf
23.09.2022
, 16:34
Ein Polizist im Regen vor einem Streifenwagen. Bild: dpa
Der Fall des in Iserlohn festgenommenen Etrit P. zeigt, wie der IS versucht, Jugendliche in Europa fernzusteuern.

Die Sicherheitsbehörden hatten Etrit P. schon seit einiger Zeit fest im Blick. Zuletzt verdichteten sich die besorgniserregenden Informationen über den 16 Jahre alten Jugend­lichen aus Iserlohn so, dass er am Donnerstag festgenommen wurde. Etrit P., der sowohl die deutsche als auch die ko­sovarische Staatsbürgerschaft besitzt, soll im Namen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) eine „schwere staatsgefährdende Straftat“ geplant ha­ben, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Demnach stand P., der sich innerhalb weniger Monate stark radikalisiert haben soll, mit einem mutmaßlichen IS-Mann per Messengerdienst in Kontakt und ließ sich bereits erklären, wie man einen Sprengsatz baut. Nach Erkenntnissen der Ermittler fürchtete P. dann je­doch, dass seine Pläne vereitelt werden könnten, und verlegte sich darauf, einen Messerangriff auf Polizeibeamte zu verüben.

Der Fall P. zeigt, dass der IS auch nach seiner militärischen Niederlage in Syrien und dem Irak noch aktiv ist und danach strebt, mit der sogenannten Mentoren-Methode auch in Deutschland Anschläge verüben zu lassen. Seit 2016 haben es die Sicherheitsbehörden immer wieder mit einem bis dahin nicht bekannten dschihadistischen Tätertypus zu tun. Es handelt sich um häufig zugleich labile wie turboradikalisierte junge Männer und Jugendliche, die nur oberflächlich be­trachtet „einsame Wölfe“ sind. Denn tatsächlich werden diese Täter manchmal noch bis kurz vor ihren Anschlägen von ihrem „Coach“ instruiert – so wie etwa Riaz A., der im Sommer 2016 in einem Regionalzug in Franken mit einer Axt mehrere Reisende schwer verletzte.

Glücklicherweise ist es seither in mehreren Fällen gelungen, schon zum Anschlag entschlossenen Jugendlichen rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Im Fall von Mohammad J. in Köln – der per Whatsapp mit einem IS-Instrukteur in Kontakt stand – war das vor sechs Jahren aufmerksamen Mitarbeitern einer Flüchtlingsunterkunft und vor allem Mitgliedern einer Moscheegemeinde zu verdanken. Im Fall von Oday J. aus Hagen vor einem Jahr bekamen die Sicherheitsbehörden von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst den entscheidenden Hinweis. J. wollte einen Sprengsatz vor der örtlichen Synagoge zünden. Auch er war von einem mutmaßlichen IS-Angehörigen per Chat instruiert worden.

Quelle: F.A.Z.
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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