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FAZ plus ArtikelGesichtserkennung

Die unheimlichen Polizeikameras von Görlitz

Von Justus Bender
Aktualisiert am 10.07.2020
 - 11:49
Überwachungskameras vor dem Rathaus von Görlitzzur Bildergalerie
Gesichtserkennung ist ein Albtraum für Datenschützer. Es gibt sie in Amerika, in China und bei Kriminaldirektor Daniel Mende von der Polizeidirektion Görlitz. Wie funktioniert sie dort?

Jemand musste Robert Julian-Borchak verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Nachmittags verhaftet. Die Polizisten kamen zu seinem Haus in Farmington Hills im amerikanischen Bundesstaat Michigan. Sie zeigten ihm einen Zettel mit seinem Foto und den Worten „Haftbefehl“ und „Diebstahl“. Dann legten sie ihm Handschellen an und fuhren ihn zu einer Polizeiwache. Seine Frau und seine Töchter sahen zu, so hat es Julian-Borchak der „New York Times“ erzählt. Er verstand nicht, was geschah, er hatte nichts verbrochen. Er war unschuldig. Es musste ein schrecklicher Fehler passiert sein. Nach einer Nacht im Gewahrsam wurde er verhört. Die Beamten zeigten ihm die Aufnahme einer Überwachungskamera aus einer Boutique für Uhren, Fahrräder und Lederwaren. Das Bild zeigte einen schwarzen Mann mit einer roten Baseballmütze, der fünf Uhren gestohlen hatte. „Das bin ich nicht“, sagte Julian-Borchak. „Glaubt ihr, dass alle schwarzen Männer gleich aussehen?“

Der Fehler lag aber nicht im Rassismus eines Menschen. Die Polizisten hatten nur ihren Job gemacht. Es war eine Maschine, die Julian-Borchak verwechselt hatte. Der Algorithmus einer Gesichtserkennung hatte seine Gesichtszüge in denen des Diebes gesehen. Ein Computer hatte einen Unschuldigen über Nacht ins Gefängnis gebracht, möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte. Julian-Borchak saß im Verhör und hielt das Bild des Diebes neben sein Gesicht. Die Beamten schauten. Einer sagte: „Da hat der Computer wohl einen Fehler gemacht.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bender, Justus
Justus Bender
Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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