FAZ plus ArtikelAusbau der Windenergie

Die schwierige Zwei-Prozent-Mission

Von Reiner Burger, Reinhard Bingener, Timo Frasch, Rüdiger Soldt und Timo Steppat
20.01.2022
, 11:01
Bayerische Rarität: Eine Windkraftanlage im Münchner Stadtteil Fröttmaning.
Seit Jahren lahmt der Ausbau der Windkraft. Jetzt sollen sich die Flächen mehr als verdoppeln. Unser Blick in die Länder zeigt, wie schwer diese Mission wird. Aber Robert Habeck hat einen Joker.
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Mehr Windkraft, viel mehr Windkraft. Nur so kann Deutschland 2045 die Klimaneutralität erreichen, das ist die Botschaft der Ampel-Koalition. Neu sind die Windkraftziele keineswegs. Auch die Vorgängerregierung hatte sich in ihren Langfristszenarien in diesem Bereich Ziele gesetzt, die mit einem massiven Windkraftausbau hätten einhergehen müssen. Bis 2030 sollten 80 Gigawatt aus der Windkraft stammen, derzeit sind es knapp 56 Gigawatt. Doch seit Jahren lahmt der Windkraftausbau. An Land sind im vergangenen Jahr nur 240 neue Windräder ans Netz gegangen. 2017 waren es noch sieben Mal so viele gewesen. Woran liegt das? Und was kann man dagegen tun?

Der für Klima und Energie zuständige Wirtschaftsminister Robert Habeck reist in diesen Tagen durchs Land, um sich einen besseren Eindruck zu verschaffen und mit den Landesregierungen zu sprechen. An diesem Donnerstag trifft er sich mit Markus Söder in München. Der bayerische Ministerpräsident bemühte sich in den vergangenen Jahren gerne um ein grünes Image, sagte aber mantraartig, Bayern sei „kein Windland“. Mit dem Argument hat er auch die 10-H-Regel verteidigt, die besagt, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnsiedlung entfernt sein muss. Der Münchner Peter Beermann sieht das dezidiert anders. Das muss er auch, denn er ist der „Windkümmerer“ für den Regierungsbezirk Oberbayern. Im Freistaat seien die Windgeschwindigkeiten natürlich geringer als im Norden, aber auch hier könne man Windkraft wirtschaftlich betreiben.

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