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FAZ plus ArtikelZur Zukunft der Welt

Die Versprechen der Gegenwart

Von Bini Adamczak
 - 14:15

Als 1990 die Sowjetunion implodierte, meinten viele, die Geschichte sei zu Ende. Die repräsentative kapitalistische Demokratie habe für alle Zukunft gewonnen. An diese These mag heute niemand mehr glauben. Nicht zuletzt, weil in den letzten Jahren die hässlichsten Untoten der Vergangenheit wieder die Bühne der Geschichte betreten. Die nationalistischen, faschistischen oder neonationalsozialistischen Bewegungen, die viele für begraben hielten, kehren zurück. Ihre Ideologien, Organisationsstrukturen und Propagandamethoden wurden immer wieder beschrieben. Aber warum tauchen sie jetzt wieder auf? Was sind die Risse in den Verhältnissen, aus denen sie emporstiegen? Und vor allem: Woher beziehen sie ihre Attraktivität? Welches Versprechen geben sie?

Die Rückkehr des europäischen Faschismus weit über Europa hinaus lässt sich nicht ohne die Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft erklären. Die ökonomische Krise war zugleich eine Legitimationskrise des Neoliberalismus. Dessen Versprechen lautete: „Du allein kannst es schaffen.“ Es war ein Versprechen von Freiheit, Reichtum und Selbstverwirklichung: „Alles kann gelingen“, hieß es, „wenn du dich nur ganz auf Karriere und Familie konzentrierst.“ Dieses individuelle Erfolgsversprechen verlor mit der Weltwirtschaftskrise vor zehn Jahren an Anziehungskraft. Mit der Krise kamen die Bilder von Menschen, die aus ihren Häusern ausziehen und in Zelten leben mussten wie in den Vereinigten Staaten, die Nachrichten von Menschen, die ihre Strom- und Arztrechnungen nicht mehr bezahlen konnten wie in Griechenland. Nun waren sie auf einmal verschuldet, und statt in der Mitte der Gesellschaft befanden sie sich an deren Rand. Das hatte es immer gegeben. Aber jetzt geschah es nicht vereinzelt, sondern massenhaft, nicht zeitlich versetzt, sondern gleichzeitig. Es konnte sich nicht um Einzelfälle handeln, das hier war kein individuelles Scheitern.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
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