FAZ plus ArtikelHamburger Studie

Zweiter Lockdown führte zu größeren Lernrückständen

Von Heike Schmoll, Berlin
12.09.2021
, 14:34
Sommerschule in Mainz: Fehlender Präsenzunterricht hinterließ schwere Folgen
Die meisten Bundesländer haben ihre Lernstandserhebungen verschoben. Außer Hamburg. Die Ergebnisse sind verheerender als im ersten Lockdown. Forscher fordern mehr Länderstudien.
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Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (Stäwiko) und die Leopoldina haben den Ländern dringend nahegelegt, nach Ende der Sommerferien mögliche Lernlücken ihrer Schüler durch zwei Lockdowns durch einheitliche Lernstandserhebungen aufzudecken. Die meisten haben die Tests verschoben oder ausgesetzt, Hamburg hat jetzt als erstes Land eine wissenschaftliche Studie vorgelegt, die zu einem bedenklichen Ergebnis kommt. Während Schüler den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 noch mit relativ geringen Lernlücken überstanden haben, hat der zweite Lockdown im Winter 2021 deutlichere Spuren hinterlassen.

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Dass die Schulschließungen die Grundschüler besonders hart treffen würden, hatten Bildungsforscher schon lange vermutet. In Hamburg zeigt sich jetzt, wie sehr die Drittklässler im zweiten Lockdown im Lesen und in Mathematik zurückgefallen sind. Die Gruppe der lernschwachen Kinder im Lesen wuchs im Vergleich zu der Zeit vor Corona um 11,1 Prozent und in Mathematik um 8,7 Prozent. An Schulen in schwierigen sozialen Lagen klaffen noch weit größere Lücken. Im Lesen vergrößerte sich die Gruppe der Kinder mit den schwächsten Fähigkeiten um 13,6 Prozent und in Mathematik um 11,2 Prozent. Nur in der Rechtschreibung verbesserten sich die Leistungen der Lernschwachen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) führte das auf die Rechtschreiboffensive in Hamburg zurück, es könnte aber auch sein, dass die Eltern oder Geschwister durch häusliche Unterstützung für bessere Rechtschreibkenntnisse gesorgt haben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmoll, Heike
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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