<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Illustration: Torsten Wolber

Spahn will dein Organ

Von KIM BJÖRN BECKER

12.04.2019 · Der Gesundheitsminister will gemeinsam mit einigen Bundestagsabgeordneten das System der Organspende reformieren. Wer nicht ausdrücklich widerspricht, soll künftig Spender sein. Ob das die Probleme lösen würde, ist allerdings fraglich.

D ie Klinik liegt östlich des Zentrums, Stadtteil Johannstadt. Hinter der Pforte öffnet sich ein Campus mit vielen Gebäuden, alten wie neuen, und wer nicht gerade mit Blaulicht unterwegs ist, für den herrschen besondere Verkehrsregeln: Ein Schild mahnt Tempo 20 an, darunter eine Tafel, die eigentlich die Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Fahrzeugs anzeigen soll, an diesem Tag im Frühjahr aber ausgefallen ist. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dresdner Uniklinik eines der modernsten Krankenhäuser des Landes ist. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist sie auch bei der Organspende führend: Im vergangenen Jahr gelang es den Ärzten in Dresden 16 Mal, bei hirntoten Patienten Organe zu entnehmen, damit Kollegen sie andernorts Schwerstkranken einpflanzen können – so viele Spenden an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die zentrale Koordinierungsstelle für Organspenden, konnte daneben nur die Uniklinik Hamburg-Eppendorf vermelden.

Die Medizin kann derzeit sechs verschiedene Organe verpflanzen. 2018 wurden in Deutschland insgesamt 3264 Transplantationen vorgenommen.

Jeweils 16 Spenden in einem Jahr – die Zahl irritiert, nicht nur angesichts der Größe der zwei Krankenhäuser. Dresden verfügt schließlich über knapp 1300 Betten, mehr als 900 Ärzte arbeiten dort, fast 60.000 Patienten wurden im vergangenen Jahr stationär aufgenommen. Hamburg ist noch etwas größer, 1700 Betten, 95.000 Patienten – und dann nur jeweils 16 Organspenden, etwas mehr als eine im Monat, wären sie gleichmäßig über das Jahr verteilt. Zugleich warteten zum Ende des vergangenen Jahres fast 9400 Schwerkranke in Deutschland auf ein neues Herz, eine neue Lunge, Leber oder Niere. Das Missverhältnis ist offenkundig.

Zwar stieg die Zahl der Spenden im vergangenen Jahr an, doch noch immer klafft eine gewaltige Lücke. Für 2018 verzeichnete die DSO 955 Spender und 3113 entnommene Organe – die nicht nur an Patienten in Deutschland gingen, sondern auch an solche in sieben weiteren europäischen Ländern, die sich zur Eurotransplant-Gruppe zusammengeschlossen haben. Umgekehrt gelangen auch Organe, die Spendern in diesen Ländern entnommen wurden, in die Bundesrepublik. Doch das reicht noch lange nicht, um den Bedarf hierzulande zu decken. Im Schnitt sterben an jedem Tag schätzungsweise drei Patienten, während sie langsam auf der Warteliste nach oben rutschen. Manche gehen von noch höheren Werten aus.

Im Schnitt sterben an jedem Tag schätzungsweise drei Patienten, während sie langsam auf der Warteliste nach oben rücken.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: Neu

F.A.Z. Digital

F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

Quelle: Frankfurter Allgemeine Woche