FAZ plus ArtikelÜberhasteter Abzug

Das hat nicht mal Trump hingekriegt

EIN KOMMENTAR Von Majid Sattar
29.08.2021
, 09:02
Nach dem Anschlag: Verletze werden am 26. August ins Krankenhaus von Kabul gebracht.
Biden wurde gewählt, weil viele die Unberechenbarkeit Trumps leid waren. Der neue Präsident galt dagegen als berechenbar. Dieses Image hat er zerstört.

Die Situation in Kabul war von Anfang an ein sicherheitspolitischer Albtraum. Tausende afghanische Schutzsuchende vor den Toren des Flug­hafengeländes der Hauptstadt, draußen die Taliban, drinnen die amerikanischen Soldaten und ihre Verbündeten. Faktisch war (und ist) Washington darauf angewiesen, dass die neuen Machthaber in Kabul die eigenen Leute vor den Terroristen des „Islamischen Staates“ schützen. Einmal abgesehen von der bitteren Ironie dieser Konstellation: Die modernsten Streitkräfte der Welt mussten sich auf die Arbeit der Taliban an den Kontrollposten verlassen. An Informationen über einen bevorstehenden Anschlag hat es nicht gemangelt. Doch war man den Terroristen in diesem asymmetrischen Krieg geradezu ausgeliefert.

Ganz gleich, wie man zu der Frage steht, ob der amerikanische Rückzug vom Hindukusch nach zwanzig Jahren grundsätzlich richtig ist oder nicht – dieser Abzug ist eine Katastrophe für Amerika. Präsident Joe Biden hat nicht nur den Taliban die Gelegenheit gegeben, den Westen zu demütigen. ­Er hat mit seiner unverantwort­lichen Augen-zu-und-durch-Operation auch die eigenen Soldaten, amerikanische Zivilisten und afghanische Schutzsuchende großer Gefahr ausgesetzt.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Sattar, Majid (sat.)
Majid Sattar
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot