Kirche

Vatikan verschärft Strafen für Missbrauch

Von Jörg Bremer, Rom
07.07.2010
, 22:39
Die Kirchenführung hat einen Erlass mit klareren Regeln für den Umgang mit sexuellem Missbrauch angekündigt. In dem Papier verpflichtet sich die Kirche auch, in Zukunft in allen Fällen die staatlichen Behörden einzuschalten.

Der Heilige Stuhl will die Verfahren gegen pädophile Priester beschleunigen und die Ahndung entsprechender Übergriffe verschärfen. Das verlautete am Mittwoch inoffiziell aus dem Vatikan. Zudem sollen die bisherigen Verfahren „konsolidiert und verdeutlicht werden“, so dass die nationalen Bischofskonferenzen klare Richtlinien zur Hand haben. Papst Benedikt XVI. habe noch vor seinem Umzug in die Sommerresidenz Castel Gandolfo ein Dokument genehmigt, das demnächst veröffentlicht wird. In dem Erlass werden bisherige Normen zusammengefasst und kirchenrechtlich verbindlich gemacht.

Der Erlass basiert auf dem Dokument zu den „Delicta graviora“ aus dem Jahr 2001, das damals Kardinal Ratzinger als Chef der Glaubenskongregation verfasst hatte. Die aktuelle Ausarbeitung ist das Werk seines Nachfolgers, des amerikanischen Kardinals William Levada, der seit Ratzingers Wahl zum Papst 2005 die Glaubenskongregation lenkt. Dieses Papier sei nicht zuletzt nötig geworden, nachdem 2003 der Chefjurist der Glaubenskongregation, Charles Scicluna, bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten bemerkte, dass das bisherige Regelwerk unterschiedlich interpretiert wird, hieß es. Der Druck hatte sich nach Bekanntwerden vieler Missbrauchsfälle in den vergangenen Monaten weiter erhöht.

Kirche „muss“ die staatlichen Behörden einschalten

Nach den neuen Strafnormen können pädophile Priester direkt in den Laienstand zurückversetzt werden. Außerdem „muss“ die Kirche bei sexuellen Missbrauchsfällen die staatlichen Behörden einschalten; bisher war von „soll“ die Rede. Die Verjährungsfrist für Missbrauchsdelikte im Kirchenrecht von derzeit zehn Jahren soll angehoben werden. Bisher hatte der Papst in Einzelfällen die Vollmacht gegeben, von einer Verjährung abzusehen.

Der Besitz von Kinderpornographie soll zu einem Delikt des Kirchenrechts werden. Bei den kirchlichen Gerichten soll es künftig möglich sein, neben den Fachleuten im kanonischem Recht einen Laien ohne juristische Ausbildung zuzulassen. Höhere kanonische Gerichte können leichter als bisher Urteile unterer Instanzen übergehen. Nach Angaben der Glaubenskongregation gingen seit Inkrafttreten des Dekrets von 2001 etwa 3000 Beschuldigungen wegen sexueller Übergriffe von Diözesan- und Ordenspriestern ein.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot