FAZ plus ArtikelClimate Engineering

Die Atmosphäre aufräumen

Von Timo Steppat, Glasgow
12.11.2021
, 13:42
Eine Anlage von Climework in Island, die jährlich 4000 Tonnen CO2 aus der Luft fischt.
Alle reden davon, Emissionen zu verringern. Langfristig führt aber kein Weg daran vorbei, das schon ausgestoßene CO2 aus der Atmosphäre zurückzuholen.
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Die Idee klingt bestechend: Ein Sonnensegel, das man in den Weltraum spannt, um die Sonnenstrahlen abzufangen und damit die Temperatur zu senken. Oder Partikel, die man in die Atmosphäre bringt, damit sie einen ähnlichen Effekt erzielen. Erfindungen also, die die Erderwärmung begrenzen. Mark Lawrence, Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam, wartet mit Schrecken auf den Tag, an dem ein vermögender Philanthrop beschließt, genau das zu tun: Statt zäher Verhandlungen über nationale Beiträge und Regeln für den Emissionshandel, wie sie gerade in Glasgow bei der Klimakonferenz stattfinden, einfach mit sehr viel Geld eine Mission zur Rettung der Welt starten.

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In den Szenarien stellen sich viele Fragen. Gäbe es ein Sonnensegel, lautet eine: Wer dreht am Thermostat, wer trägt die Verantwortung, wo die Sonne scheint? Kommen Partikel in die Atmosphäre, was sich eher im Bereich von Science-Fiction bewegt, würde sich die Farbe der Himmelsluft verändern, ebenso das Wetter. Insgesamt hält Lawrence die Techniken für heikel – vor allem in moralischer Hinsicht. Bevor man darüber nachdenke, einen solchen Schritt zu gehen, müsse man die Folgen kennen. Im Kleinen vergleicht er es mit der Einführung der Elektroroller: Sie sollten den Verkehr entlasten, helfen, die sogenannte letzte Meile zu überbrücken – beides haben sie laut Studien nicht erreicht. Stattdessen versperren sie die Bürgersteige. Beim Climate Engineering geht es um weit mehr. „Es handelt sich um schwere Eingriffe in die Erdsysteme“, sagt der Klimaforscher. Die Folgen sind nur schwer abzusehen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Steppat, Timo
Timo Steppat
Redakteur in der Politik.
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