Coronavirus

Keine Panik – aber nicht abwiegeln

EIN KOMMENTAR Von Peter Sturm
24.02.2020
, 17:15
Erhöhte Vorsicht: Touristen in Mailand
Das unheimlich Neue am Coronavirus rührt an menschliche Urängste. Und das hält Regierungen in aller Welt in Atem. Gesundheitsminister Spahn und alle Politiker wandeln auf einem schmalen Grat.
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Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist es gewohnt, dass ihm, von wem auch immer, auf alle Fragen blitzschnell Antworten gegeben werden. Seit mehr als einem Monat aber schaut die Welt auf ein kleines Virus, das seine Geheimnisse einfach (noch?) nicht preisgeben will.

Anfangs hatte das Coronavirus für die meisten Europäer noch den (gefährlichen) Reiz des Exotischen, da sich die Probleme in scheinbar sicherer Entfernung in China zeigten. Erste Krankheitsfälle in Bayern konnten eindeutig auf Besucher aus China zurückgeführt werden. Die Krankheit bereitete sich nicht aus.

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Jetzt häufen sich auch in Italien die Infektionen. Und nun spricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von einer „neuen Lage“. Das ist vermutlich eine kluge Reaktion, denn natürlich kann auch Spahn nicht wissen, ob sich der Ausbruch zu einer Pandemie auswachsen wird.

Auf schmalem Grad

Er und alle Politiker wandeln auf einem schmalen Grat. Einerseits dürfen sie nicht durch unbedachte Äußerungen panische Reaktionen der Öffentlichkeit provozieren. Andererseits wäre es fatal, wenn sie abwiegelten. Wenn dann nämlich doch etwas passiert, ist die Panik garantiert. Und diejenigen, die immer von vornherein alles besser gewusst haben wollen, haben ihren großen Auftritt.

An diesem Punkt könnte sich jetzt Italien befinden. Die Regierung hat, soweit man das beurteilen kann, schnell und resolut auf den Anstieg der Infektionen reagiert. Sie kann aber nicht garantieren, dass ihre Maßnahmen ausreichen werden, um Schlimmeres zu verhüten. Es ist freilich nicht zu erwarten, dass ein Politiker wie der ehemalige Innenminister Matteo Salvini in einer Krisensituation Vernunft walten lassen wird.

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Und Deutschland? Gesundheitsminister Spahn sagt, das deutsche Gesundheitswesen sei so gut wie möglich vorbereitet. Man muss hoffen, dass das im Fall der Fälle ausreicht. Die Zahlen der Infektionen sind an sich noch kein Anlass zu größter Beunruhigung. Aber Corona ist keine „normale“ Grippewelle. Gegen Influenza kann man sich impfen, gegen Corona noch nicht.

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Das unheimlich Neue rührt an menschliche Urängste. Und das hält Regierungen in aller Welt in Atem. Über wirtschaftliche Folgen des Ausbruchs wird schon fleißig spekuliert. Was das Virus gegebenenfalls politisch bewirkt, ist aber eine ebenso spannende Frage.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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