Kommentar

Neues Spiel

18.09.2005
, 18:42
Entsetzen bei Merkel-Anhängern über das Wahlergebnis
Das Spiel ist aus. Die Ära des Bundeskanzlers Gerhard Schröder ist zu Ende. Doch das Vertrauen, das er verloren hat, ist Angela Merkel nicht zugewachsen. Mit wem auch immer eine Regierung zu bilden, ist eine Aufgabe, um die sie niemand beneiden dürfte: Der F.A.Z.-Kommentar.
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Das Spiel ist aus. Zu Ende ist die Ära eines Bundeskanzlers, der es nach eigenen Worten schon vor vier Jahren nicht verdient hatte, wiedergewählt zu werden, da er die Arbeitslosenquote nicht hatte senken können.

Dann zwangen ihn Oderflut und Friedensliebe der Deutschen nochmals unter das Joch der Regierungsverantwortung. Das neue Mandat nutzte er, um im Namen Hartz neue Wunder auf dem Arbeitsmarkt anzukündigen und einen schuldenfreien Haushalt obendrein. Als Magier der Macht und der Medien bis zuletzt gepriesen, wurde Schröder am Sonntag von den Bürgern als Scharlatan entlarvt. Im Stürzen hat er die SPD, der er als Regierungspartei noch weniger vertraute als sie ihm, noch mitgerissen.

Sensationelles Abschneiden der FDP

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Doch nichts an dem Wahlergebnis dieses Sonntags spricht dafür, daß anderen Parteien das Vertrauen zugewachsen ist, das Schröder und die SPD verloren haben. Wie noch nie wurde nach taktischen Gesichtspunkten abgestimmt. Unter dem Eindruck der Spekulationen über eine große Koalition schlugen sich von der Agenda-2010-SPD enttäuschte Wähler auf die Seite der Grünen und der zur Linkspartei gewendeten PDS, um im Fall des Falles auf der richtigen Seite zu stehen.

Das nur als sensationell zu bezeichnende Abschneiden der FDP wiederum ist gleichfalls kein Vertrauensbeweis für die Partei, die lange den Spaß an sich selbst kultiviert hat. Es ist vielmehr Zeichen doppelten Mißtrauens gegenüber den Unionsparteien. Vielen, die ihre Zweitstimme den Freien Demokraten gegeben haben, ging es darum, den Unionsparteien - spiegelbildlich zur SPD - den Weg in eine große Koalition zu verbauen und zugleich die FDP im Bündnis mit CDU und CSU zu stärken.

Doch haben sie die Rechnung ohne die anderen potentiellen Wähler der Union gemacht. Daß CDU und noch deutlicher die CSU ihr Wahlergebnis von 2002 nicht halten konnten, offenbart das Mißtrauen vieler Bürger gegenüber dem Programm und wohl auch der Person der Parteivorsitzenden Angela Merkel. Auf dieser Grundlage mit wem auch immer eine Regierung zu bilden, ist eine Aufgabe, um die sie niemand beneiden dürfte. Und ob ihr im Lauf der Zeit das Vertrauen ihrer Gegner innerhalb der Union zuwächst, das ihr noch immer fehlt, ist nicht gewiß. Das Spiel ist eröffnet.

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Das Spiel ist aus. Zu Ende ist die Ära eines Bundeskanzlers, der es nach eigenen Worten schon vor vier Jahren nicht verdient hatte, wiedergewählt zu werden, da er die Arbeitslosenquote nicht hatte senken können.

Dann zwangen ihn Oderflut und Friedensliebe der Deutschen nochmals unter das Joch der Regierungsverantwortung. Das neue Mandat nutzte er, um im Namen Hartz neue Wunder auf dem Arbeitsmarkt anzukündigen und einen schuldenfreien Haushalt obendrein. Als Magier der Macht und der Medien bis zuletzt gepriesen, wurde Schröder am Sonntag von den Bürgern als Scharlatan entlarvt. Im Stürzen hat er die SPD, der er als Regierungspartei noch weniger vertraute als sie ihm, noch mitgerissen.

Sensationelles Abschneiden der FDP

Doch nichts an dem Wahlergebnis dieses Sonntags spricht dafür, daß anderen Parteien das Vertrauen zugewachsen ist, das Schröder und die SPD verloren haben. Wie noch nie wurde nach taktischen Gesichtspunkten abgestimmt. Unter dem Eindruck der Spekulationen über eine große Koalition schlugen sich von der Agenda-2010-SPD enttäuschte Wähler auf die Seite der Grünen und der zur Linkspartei gewendeten PDS, um im Fall des Falles auf der richtigen Seite zu stehen.

Das nur als sensationell zu bezeichnende Abschneiden der FDP wiederum ist gleichfalls kein Vertrauensbeweis für die Partei, die lange den Spaß an sich selbst kultiviert hat. Es ist vielmehr Zeichen doppelten Mißtrauens gegenüber den Unionsparteien. Vielen, die ihre Zweitstimme den Freien Demokraten gegeben haben, ging es darum, den Unionsparteien - spiegelbildlich zur SPD - den Weg in eine große Koalition zu verbauen und zugleich die FDP im Bündnis mit CDU und CSU zu stärken.

Doch haben sie die Rechnung ohne die anderen potentiellen Wähler der Union gemacht. Daß CDU und noch deutlicher die CSU ihr Wahlergebnis von 2002 nicht halten konnten, offenbart das Mißtrauen vieler Bürger gegenüber dem Programm und wohl auch der Person der Parteivorsitzenden Angela Merkel. Auf dieser Grundlage mit wem auch immer eine Regierung zu bilden, ist eine Aufgabe, um die sie niemand beneiden dürfte. Und ob ihr im Lauf der Zeit das Vertrauen ihrer Gegner innerhalb der Union zuwächst, das ihr noch immer fehlt, ist nicht gewiß. Das Spiel ist eröffnet.

Quelle: D.D. / F.A.Z., 19.09.2005, Nr. 218 / Seite 1
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