Muslime in Deutschland

Streit über Demonstration gegen Terror

17.11.2004
, 12:25
Eine vom türkischen Staat dominierte muslimische Organisation hat zu einer Demonstration gegen islamistischen Terrorismus aufgerufen - und stößt auf ein geteiltes Echo. Denn die Repräsentanten der Muslime in Deutschland sind sich nicht „grün“.
ANZEIGE

Der Aufruf der „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (Ditib) zu einer muslimischen Demonstration gegen Terror stößt in den islamischen Gemeinden auf ein geteiltes Echo.

Milli Görüs (IGMG), die zweitgrößte Organisation in Deutschland, wird offiziell nicht an dem Protestzug am 21. November in Köln teilnehmen. „Wir haben nichts gegen die Demonstration“, sagte IGMG-Generalsekretär Oguz Ücüncü. Die Planung der Ditib gebe aber anderen islamischen Organisationen kaum Spielraum.

Ditib vertritt den türkischen Staat

Die Ditib ist der größte eingetragene islamische Verein im Bundesgebiet. Er versteht sich selbst nicht als Dachorganisation der Muslime in Deutschland. Denn er vertritt den türkischen Staatsislam mit dem Prinzip der Trennung von Staat und Religion und wird deshalb von anderen islamischen Organisationen nicht anerkannt.

Man kann vermuten, daß der von der Türkei angestrebte Beitritt zur Europäischen Union ein Motiv der Ditib ist, diese Demonstration als Ausdruck des guten Willens der meisten Muslime zu organisieren - oder sogar, daß die Aufforderung dazu direkt aus Ankara kommt.

ANZEIGE

„Wir wollen alleiniger Organisator der Demonstration bleiben“

Ditib-Generalsekretär Ali Gülcek sagte, sein Verband solle alleiniger Organisator der Demonstration bleiben. „Wir haben den Zug initiiert. Jetzt soll der Stab bei uns bleiben.“ Er rief auch Nicht-Muslime und Politiker dazu auf, bei der Demonstration mitzumarschieren.

ANZEIGE

Vom Zentralrat der Muslime in Deutschland kommen unterdessen zustimmende Worte. „Es fehlt eine gemeinsame Planung, aber das sollte kein Hindernis sein, gemeinsam aufzutreten“, sagte Zentralrats-Vorsitzender Nadeem Elyas. Er forderte aber weiterhin, daß die Ditib auch andere Organisationen in die Planung mit einbinde.

Verfassungsschutz beobachtete die Berliner Moschee schon länger

Seit in Berlin ein Prediger der Islamischen Föderation in der vergangenen Woche mittels eines Tonmitschnittes beleidigender Worte gegenüber Deutschen überführt wurde, reißt die Debatte über das Moscheenleben in Deutschland nicht ab.

Wie die Zeitung „Die Welt“ aus dem Umfeld des Berliner Gebetshauses erfahren will, hat der Verfassungsschutz schon seit einem Monat die Reden des betreffenden Predigers beobachtet. Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hatte daraufhin gefordert, die Predigten auf Deutsch abhalten zu lassen.

ANZEIGE

Union will Bundestagsdebatte zum Islamismus

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will kommende Woche einen Antrag zum Islamismus in den Bundestag einbringen. Die Debatte über den politischen Islamismus und seine Bekämpfung gehöre ins Parlament, sagte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der Zeitung „Die Welt“.

Auch das ARD-Hauptstadtstudio berichtete von dem Antrag, in dem die in Deutschland lebenden Muslime zu besserer Zusammenarbeit bei der Verfolgung terroristischer Akte und von Volksverhetzung aufgefordert würden.

„Verzichtet auf Ostermontag oder Pfingstmontag!“

Die Idee eines islamischen Feiertags in Deutschland, die Umweltminister Jürgen Trittin und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Christian-Ströbele (beide Grüne) angeregt hatten, stößt bei Muslimen auf positives Echo.

Ali Emari, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft in Hamburg, sagte in der „Bild“-Zeitung, daß die Christen auf den Ostermontag oder Pfingstmontag verzichten könnten. Askar Mahmut, Generalsekretär der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa argumentierte in dem Blatt: „Wir Muslime sind ein Teil der Gesellschaft. Wenn man auf Minderheitenrechte Wert legt, ist ein muslimischer Feiertag überfällig.“

Widerstand gab es vor allem bei der Union, aber auch in seiner eigenen Partei. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sprach in der „Bild“-Zeitung von einem völlig falschen Signal. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle erklärte: „Man kann über Feiertage nicht verhandeln wie auf einem Basar.“

Quelle: @ura mit Material von ddp
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Automarkt
Top-Gebrauchtwagen mit Garantie
Gasvergleich
Gas vergleichen und sparen
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Compliance Management
ANZEIGE