Naher Osten

Putins Kosten in Syrien

EIN KOMMENTAR Von Nikolas Busse
14.09.2021
, 18:54
Ein russischer Militärpolizist 2018 an einem Kontrollposten am Stadtrand von Damaskus
Den Nutzen, den Russland an vielen Orten aus dem Rückzug des Westens zieht, gibt es nicht umsonst. In Idlib muss er weiter Krieg für Assad führen.

Der Westen hat in den vergangenen Jahren oft mit geballter Faust in der Tasche verfolgt, wie Putin Nutzen aus der strategischen Überdehnung Amerikas zog. Die Schauplätze, auf denen er die Rückzüge oder Zurückhaltung der westlichen Vormacht zu einem eigenem Engagement nutzte, reichen von Venezuela bis Myanmar.

Die größte Trophäe, die er in diesem Ringen um Einflusssphären erobern konnte, war Syrien. Er bekam Zugriff auf einen Schlüsselstaat des Nahen Ostens und wurde zum entscheidenden Akteur in einem Konflikt, dessen Bedeutung über die Region hinausreicht. Assad hat sich von Russland abhängig gemacht, weshalb er seinem Herrn in Moskau regelmäßig huldigen muss.

Allerdings zeigt dieses Beispiel auch, dass es solche Gewinne nicht umsonst gibt. Putin hat sein Hauptziel, nämlich Assads Diktatur zu stabilisieren, schon vor langer Zeit erreicht. Trotzdem muss er für seinen Vasallen in Idlib weiter Krieg führen, und er hat deswegen ein Problem mit der Türkei (wie auch in Libyen), die er sonst gerne als Partner sähe. Das alles kostet Geld und politisches Kapital.

Da Russland keine Demokratie ist, wird Putin in solchen Fällen nicht von der Öffentlichkeit zur Rechenschaft gezogen. Aber auch er wird sich irgendwann die Frage stellen müssen, wie viel er in solche Unternehmungen noch investieren will. Afghanistan, das der Westen jetzt aufgegeben hat, war jedenfalls schon einmal zu viel für Moskau.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Busse, Nikolas
Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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