F.A.S. exklusiv

Berlin rügt Amerikas Sanktionspläne gegen Nord Stream 2

Von Markus Wehner und Konrad Schuller
13.06.2020
, 17:46
Das russische Verlegeschiff „Akademik Tscherski“ in der Ostsee vor Rügen
Amerikanische Senatoren wollen die neue Gasleitung zwischen Russland und Mecklenburg-Vorpommern immer noch stoppen. Geplant sind Sanktionen gegen deutsche Unternehmen und Behörden. Die Bundesregierung protestiert.
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Die Bundesregierung kritisiert den amerikanischen Plan, deutsche Behörden und Unternehmen wegen der geplanten deutsch-russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 mit Sanktionen zu belegen. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Auswärtigen Amt erfuhr, hält man dort die möglichen Strafmaßnahmen für „einen schweren Eingriff in die europäische Energiesicherheit und EU-Souveränität“. Sanktionen mit extraterritorialer Wirkung lehne man ab.

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Die Kritik bezieht sich auf einen überparteilichen Gesetzentwurf im amerikanischen Senat, in dem Demokraten und Republikaner fordern, die bestehenden Sanktionen gegen Betreiber von Verlegeschiffen für Gasröhren auf Zulieferer auszuweiten, aber auch auf Dienstleister sowie auf Behörden von beteiligten Staaten. Dazu könnten die deutschen Unternehmen Eon und Wintershall gehören, aber auch deutsche Genehmigungsbehörden.

Kritiker sagen, die Ostseeleitung schade den bisherigen Gas-Transitländern Ukraine und Polen und schaffe Russland Einnahmen für seine Kriege in der Ukraine, Libyen und Syrien.

Führende Bundestagsabgeordnete kritisierten Amerika ebenfalls. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Fritz Felgentreu, sagte, Washington betreibe „Hegemonialpolitik“. Der Obmann der Union im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, warf Amerika „Doppelmoral“ vor, weil es selbst viel Öl aus Russland importiere. „Damit finanzieren sie (den russischen Präsidenten) Putin deutlich mehr, als es die Ostsee-Pipeline tut.“

Für die Grünen sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer, Amerikas Sanktionsplan gehe zwar „definitiv zu weit“. Wenn Nord Stream 2 scheitere, habe das aber auch sein Gutes, denn die Kosten trage dann Putin. „Vielleicht fallen dann weniger Bomben auf syrische Schulen und Krankenhäuser.“

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Wehner, Markus
Markus Wehner
Politischer Korrespondent in Berlin.
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Autorenporträt / Schuller, Konrad
Konrad Schuller
Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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