Parteitag der Piraten

Öde statt putzig

EIN KOMMENTAR Von Marie Katharina Wagner
11.05.2013
, 19:22
Was ist die Piratenpartei im Laufe von anderthalb Jahren schon alles gewesen: größte Hoffnung, größte Pleite, Revoluzzerin, Wutbürgertraum. Doch die Laune ist gekippt, und viele ehemalige Fans empfehlen, die Partei einzumotten.
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Was ist die Piratenpartei im Laufe von anderthalb Jahren schon alles gewesen: größte Hoffnung, größte Pleite, Revoluzzerin, Wutbürgertraum, frischer Wind, olle Kamellen. In letzter Zeit allerdings ist die Laune gekippt, und viele ehemalige Fans empfehlen nun, die Partei einzumotten.

Dafür gibt es ja auch gute Gründe: Die Piraten haben weder Manieren noch Ahnung, ihre Umgangsformen sind unterirdisch, das Programm bleibt ungenau, wenn es interessant wird, und verliert sich ansonsten in Details (so befasst sich das gerade beschlossene Bundestagswahlprogramm ausführlich mit Fanrechten und der Inklusion psychisch Kranker). Nur: Das war von Anfang an so. Nie haben die Piraten versprochen, die netteste Partei Deutschlands zu sein; nie haben sie behauptet, bald ein allumfassendes Programm vorweisen zu können. Sie haben auch nicht verschwiegen, dass es ein Problem mit der Online-Teilhabe gibt, weil anonyme und nachprüfbare Abstimmungen im Netz unmöglich sind. Der Streit über die „SMV“, die ständige Online-Entscheidungsplattform, ist die Wiederholung des Konflikts über „Liquid Feedback“ von vor ein paar Jahren. Nur waren all diese sichtbaren Tücken eben nicht so unterhaltsam wie das Verhalten der niedlichen Netzkäuze, die im Politikbetrieb umherstolperten. Jetzt ist das nicht mehr putzig, sondern öde.

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Dabei, das muss man ihnen lassen, blieben sich die Piraten die ganze Zeit treu. Neulich empfahl ihnen ein Politikberater, ihr Sozialprogramm auszuweiten, da 40 Prozent ihrer Wähler wegen des Themas „soziale Gerechtigkeit“ für sie gestimmt hätten. So läuft das aber nicht in einer Schwarm-Partei: Für taktische Politik, die sich dem Wähler anpasst, ist sie nicht geeignet, dafür agiert sie zu autistisch. Immerhin das bleibt als positive Besonderheit: Opportunisten hat die Piraten noch keiner genannt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Wagner, Katharina
Katharina Wagner
Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.
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