FAZ plus ArtikelRussland und Deutschland

Dresden, Putin und die Sachsen

Von Stefan Locke
13.05.2022
, 20:19
Reise in die Vergangenheit: Putin im Jahr 2006 mit Blick auf die Elbe und die Sächsische Staatskanzlei.
Die Bürger der DDR hatten ein ambivalentes Verhältnis zur Sowjetunion – auch in Dresden, wo Wladimir Putin prägende Jahre verbrachte. Ministerpräsident Kretschmer will daraus Kapital schlagen.
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Am Abend des 5. Dezember 1989 traf Hans-Christian Hoch zum ersten und einzigen Mal Wladimir Putin. Hoch, damals 29 Jahre alt, war an jenem Tag mit einer Gruppe Oppositioneller vor die Stasi-Bezirksverwaltung in Dresden gezogen, um sie zu besetzen und Akten zu sichern. Dass sich gegen 17 Uhr die Tore wie von selbst öffneten, konnten die meist jungen Leute kaum fassen. Zwar hatte, wie sich herausstellte, die Stasi schon gut sauber gemacht, aber das beschwingte Gefühl, ins Zentrum des Unterdrückungsapparats vorgedrungen zu sein, ließ einige Aktivisten noch am gleichen Abend gut hundert Meter weiter laufen, hinüber zur Angelikastraße 4. In dieser Villa hatte der sowjetische Geheimdienst KGB seine Dresdner Dependance. „Da wollten wir auch rein“, erzählt Hoch. „Aber daran hat uns ein resoluter Posten mit der Kalaschnikow im Anschlag gehindert.“

Im Hintergrund habe ein junger Mann in Zivil gestanden und auf Deutsch gewarnt, dass er schießen lassen werde, sollten Unbefugte das Gelände betreten. Es war Wladimir Putin. Aber das erfuhr Hoch erst gut zehn Jahre später, als nach der Ära Boris Jelzins am russischen Regierungsfirmament ein junger Mann erschien, der versprach, dem zerfallenden Imperium wieder Ordnung und alte Größe zurückzubringen. Putin, russischer Ministerpräsident ab 1999 und Präsident ab dem Jahr 2000, hatte nach 1985 fünf Jahre in Dresden verbracht, als Offizier des KGB. Er sprach, viel mehr wusste man damals nicht von dieser Zeit, fließend Deutsch und liebte Radeberger Bier. Deutschlands Öffentlichkeit war entzückt, und die Sachsen und Dresdner gleich noch mehr. Ein wenig vom Glanz dieses seinerzeit mit vielen Hoffnungen betrachteten neuen Mannes an der Spitze Russlands fiel ja nun auch auf sie.

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Quelle: F.A.S
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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