FAZ plus ArtikelJuristenausbildung

Der Bachelor ist ein Loser-Abschluss

Von Tiziana Chiusi
29.06.2022
, 17:14
Ein Vogel hält einen Richterhammer und trägt eine Richterrobe.
Studentenvertreter und Politiker wollen vermehrt einen Bachelor für Jurastudenten anbieten. Ein solcher Abschluss reduziert keine Prüfungsangst, findet unsere Gastautorin.
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Entgegen kursierender Legendenbildung seitens selbst ernannter Reformer der juristischen Ausbildung ist diese ständig, seit den 1960er-Jahren, Gegenstand von Anpassungen und Reformen gewesen. In den 60er-Jahren ging es um die Fächerkataloge der Prüfungsordnungen und die Vereinheitlichung der Juristenausbildung; in den 70ern war man mit Kapazitätsproblemen und der – willkürlichen – Festsetzung des sogenannten curricularen Normwerts 1976 auf 1,5 konfrontiert. Anfang der 90er Jahre diskutierte man über studienbegleitende Leistungskontrollen, Studienzeitverkürzung und über den Freischuss, der als erfolgreiches Anreizmodell gelten darf. Mitte der 90er Jahre wurde – mit dem Versuch, die Lehre von spezifischen juristischen Bereichen an Fachhochschulen anzusiedeln, – die Wissenschaftlichkeit und die Einheit des Studiums in Frage gestellt; im Bologna-Prozess redeten dann manche einer Verschulung des Studiums unter riesigem bürokratischem Aufwand das Wort.

Das Ideal des Volljuristen, der beide Stationen, die wissenschaftliche Phase an der Universität und die Praxisphase im Referendariat, durchgelaufen hat, ist in Europa keineswegs der Regelfall. Gerade aber die Qualität des erfolgreichen deutschen Modells der Juristenausbildung stellt eine sehr wichtige Voraussetzung des wirtschaftlichen und rechtsstaatlichen Erfolgs der Bundesrepublik dar. Der Rekurs auf Gerichte und deren Fähigkeit, Prozesse innerhalb absehbarer Zeit und unter Wahrung der Rechte der Parteien zu Ende zu führen, ist gerade im Vergleich mit anderen Ländern ein Vertrauensbeweis in den Rechtsstaat, der den Zusammenhalt innerhalb der deutschen Gesellschaft erheblich prägt. Auch die Verlässlichkeit der Verwaltung ist eine unabdingbare Voraussetzung des wirtschaftlichen Erfolgs Deutschlands. Die deutsche Juristenausbildung ist also ein großer Standortvorteil, denn der juristische Diskurs auf Augenhöhe unter den Beteiligten stärkt die Rechtsstaatlichkeit.

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