FAZ plus ArtikelTiefengeothermie

Deutschlands ungehobener Energieschatz

Von Timo Frasch und Rüdiger Soldt
09.08.2022
, 21:53
Luftbildaufnahme einer Bohrstelle für ein Geothermiekraftwerk in Graben-Neudorf
Mit heißem Wasser aus der Tiefe könnte man hierzulande viele Haushalte mit Strom und vor allem Wärme versorgen. Doch die Suche nach Quellen ist teuer. Und die Technologie macht einigen Bürgern Angst.
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Am Bohrplatz im Kammerforst, dreißig Kilometer nördlich von Karlsruhe entfernt und vor der Haustür der Kleinstadt Graben-Neudorf, kommt Texas-Romantik auf. Ein 38 Meter hoher Bohrturm, eine schlammige Baustellenstraße, Bohrköpfe mit künstlichen Diamanten, Hunderte rot und grün la­ckierte Futterrohre zur Auskleidung des Bohrlochs lagern auf der Baustelle. In dem Waldstück bohren Arbeiter, Bergbauingenieure und Geologen gerade drei Kilometer tief ins Erdreich. Schon in drei Jahren soll hier ein Tiefengeothermie-Kraftwerk Strom und Wärme für das Fernwärmenetz produzieren. Die Wärme könnte für etwa 15 000 Haushalte reichen.

Lange stand die Tiefengeothermie im Schatten von Wind, Sonne, Biogas und Wasserstoff – den anderen erneuerbaren Energieträgern. Der drohende Gasnotstand und der schleppende Windenergieausbau haben nun die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die heißen Quellen im Erdreich gelenkt. Derzeit beträgt der An­teil des mit Geothermie produzierten Stroms in Deutschland weniger als ein Prozent: 350 Gigawattstunden im Jahr. Wenn es nach der „Deutschen Erdwärme“, einer erst 2015 gegründeten Firma aus Karlsruhe, und den meisten Politikern geht, dann könnte es am Oberrheingraben zwischen Frankfurt und Basel in den nächsten zwanzig Jahren bis zu fünfzig Geothermiekraftwerke geben. Derzeit wird an etwa zwanzig Standorten gebohrt oder gebaut. Der Vorteil der Tiefengeothermie im Vergleich zur Oberflächengeothermie ist: Das aus etwa 3500 Metern hochgepumpte Thermalwasser kann Kleinstädte vollständig mit Fernwärme versorgen, die Oberflächengeothermie nur ein Quartier oder ein Schwimmbad.

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Quelle: F.A.S.
Timo Frasch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Timo Frasch
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Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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