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Attentat auf Militärstützpunkt

War es ein Terrorakt?

Von Frauke Steffens, New York
 - 10:12
Soldaten überführen am Sonntag den Sarg mit einem der Opfer des Attentats von Pensacola

Der erste Notruf kam am Freitag um 6:51 Uhr am Morgen: Auf dem Stützpunkt der Navy in Pensacola in Florida hatte ein Attentäter auf Soldaten geschossen. Zwölf Minuten früher, um 6:39 Uhr Ortszeit, setzte ein Twitter-Account mit dem Namen @M7MD_SHAMRANI eine Botschaft des Hasses ab: Amerikaner seien zu verachten, weil sie unzählige Verbrechen gegen Muslime begangen hätten, hieß es da. Minuten später waren drei Soldaten zwischen 19 und 23 Jahren tot, acht Menschen wurden verletzt. Der Attentäter kam durch Kugeln von Navy-Sicherheitsleuten und Polizisten ums Leben.

Ob der inzwischen gelöschte Twitter-Account etwas mit der Tat in Florida zu tun hatte, ist noch nicht geklärt. Laut dem FBI hieß der Angreifer Mohammed al-Schamrani, war 21 Jahre alt und Zweiter Leutnant der saudischen Luftwaffe. Seit 2017 machte er bei der Navy eine Pilotenausbildung. An dem internationalen Programm nehmen Soldaten befreundeter Armeen, darunter auch der Bundeswehr, teil.

Als Ausländer durfte al-Schamrani keine Dienstwaffe tragen. Waffen von außerhalb dürfen auch amerikanische Soldaten nicht mit auf die Militärbasis bringen. Die Tatwaffe, eine Neun-Millimeter-Glock 45, kaufte sich der Attentäter auf legalem Wege, sagte die für die Ermittlungen zuständige FBI-Beamtin Rachel Rojas gegenüber Reportern. Presseberichten zufolge erwarb al-Schamrani dazu eine Jagdlizenz – so können sich auch Menschen mit zeitlich befristeten Nicht-Einwanderungsvisa Waffen besorgen.

Das FBI erklärte inzwischen auch, dass es einen möglichen terroristischen Hintergrund untersuche. Zunächst ging die Bundespolizei aber davon aus, dass der Täter allein handelte. Hinweise auf seine ideologische Radikalisierung drangen am Wochenende nach und nach an die Öffentlichkeit. So soll al-Schamrani laut Informanten der „New York Times“ am Abend vor der Tat mehreren Bekannten in seiner Wohnung Videos von Hinrichtungen gezeigt haben. Auf dem zwischenzeitlich gelöschten Twitter-Account soll er die Vereinigten Staaten kritisiert und Usama bin Ladin zitiert haben. Bin Ladin hatte den Amerikanern im Januar 2010 gedroht: „Die Vereinigten Amerika werden von Sicherheit nicht träumen können, bevor wir diese nicht in Palästina verwirklichen und leben können.“

Auf dem Twitter-Account hieß es, Amerika werde nicht sicher sein, bis die amerikanischen Truppen aus „unseren Ländern“ abzögen. Die Vereinigten Staaten seien „als Ganzes zu einer Nation des Bösen“ geworden, sei dort außerdem zu lesen gewesen. Das waren 2010 auch die Worte des ein Jahr später von den Amerikanern getöteten Al-Qaida-Propagandisten Anwar al Awlaki. Die Recherche-Gruppe SITE, die Terrorgruppen beobachtet, hatte die Tweets ausgewertet. FBI-Ermittlerin Rojas bestätigte die Meldungen zu dem Account aber zunächst nicht. Inzwischen haben die Behörden damit begonnen, al-Schamranis Computer und Mobiltelefon auszuwerten.

Die Einzeltäter-These geriet in Zweifel, weil drei saudische Soldaten, die ebenfalls an dem internationalen Trainingsprogramm teilnahmen, vor dem Schulungsgebäude filmten und fotografierten, in dem al-Schamrani die drei Soldaten erschoss. Ein Mann soll das Attentat laut Verteidigungsminister Mark Esper gefilmt haben. Diese Soldaten sollen die Navy-Basis nicht verlassen und werden zur Zeit vom FBI befragt. Man müsse nun herausfinden, ob sie mit den Videoaufnahmen begannen, bevor al-Schamrani schoss, oder ob sie damit spontan auf seine Attacke reagierten, so Esper am Sonntag bei Fox News.

Der Sender CNN will unterdessen erfahren haben, dass al-Schamrani noch kurz vor den Morden mit einer kleinen Gruppe von saudischen Freunden nach New York gereist sei. Einige Tage um Thanksgiving Ende November herum habe der Flugschüler frei gehabt. Die Freunde, mit denen er unterwegs war, sollen schon verhört worden sein. Auch nach Saudi-Arabien soll der Attentäter in den vergangenen Jahren mehrfach in den Urlaub gefahren sein – anonyme Quellen berichteten laut der „New York Times“, nach diesen Besuchen sei er religiöser geworden.

Präsident Donald Trump sprach den Familien der Getöteten sein Mitgefühl aus. In Saudi-Arabien sei man entsetzt, versicherte er nach einem Telefonat mit König Salman. Das Königshaus werde sich nach der „barbarischen Tat“ der Opfer-Familien annehmen. Trump versicherte, die Tat repräsentiere nicht die Saudis, die das amerikanische Volk „liebten“. Im Gegensatz zum FBI vermied er das Wort Terrorismus. Auch Minister Esper hielt sich in dieser Hinsicht zurück und erklärte: „Ich kann zur Zeit nicht sagen, ob es Terrorismus ist, wir müssen die Ermittler und das FBI ihre Arbeit machen lassen.“ Bundespolizei-Ermittlerin Rojas hatte erklärt, man führe die Untersuchung unter der Annahme einer terroristischen Attacke, was auch besondere Ermittlungsmethoden zulasse. Die saudische Regierung habe umgehend „volle Kooperation“ angekündigt.

Trumps Gegner kritisieren ihn häufig für seine freundlichen Beziehungen zur saudischen Königsfamilie, mit der er Waffenkäufe von mehr als 110 Milliarden Dollar aushandelte, von denen freilich bislang nur ein Bruchteil realisiert wurde. Trump hatte im vergangenen Jahr politische Bedenken gegen Saudi-Arabien nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi relativiert, obwohl das Königshaus laut amerikanischen Ermittlungsbehörden daran beteiligt gewesen ist.

Die Amerikaner bauen ihre Truppen-Präsenz in Saudi-Arabien unter Trumps Regierung aus. Erst im Oktober hatte der Präsident die Entsendung weiterer 1800 Soldaten in das Königreich angekündigt. Für die Beziehungen beider Staaten wäre es belastend, wenn sich herausstellen sollte, dass der Attentäter von Pensacola tatsächlich Verbindungen zur Terrororganisation Al Qaida hatte und nicht nur von deren Gedankengut beeinflusst war. Al Qaida hat bis heute ein wesentlich stärkeres Netzwerk in dem Königreich als etwa der „Islamische Staat“.

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Vereinigte Staaten
Tote nach Attentat auf Militärstützpunkt

Politiker beider Parteien diskutierten die politischen Konsequenzen des Attentats unterdessen in den Sonntags-Talkshows. Adam Schiff, der demokratische Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses im Repräsentantenhaus, sagte, Trump schlage zu sanfte Töne gegenüber dem Königshaus an. Der Präsident müsse die Saudis deutlicher auffordern, alles offen zu legen, was sie wüssten, sagte Schiff bei CBS.

Rick Scott, republikanischer Gouverneur von Florida, forderte bei Fox News eine Aussetzung des Trainingsprogramms für ausländische Soldaten. Matt Gaetz, Abgeordneter aus Florida, warnte Saudi-Arabien davor, in den Fall einzugreifen – vom Königreich und seinem Geheimdienst werde lediglich vollständige Kooperation erwartet. Dies habe er dem saudischen Botschafter Reema Bint Bandar am Telefon mitgeteilt, sagte Gaetz bei ABC News. Anders als sein Präsident war der Republikaner, in dessen Wahlbezirk die Militärbasis liegt, nicht zur Zurückhaltung aufgelegt und nannte die Tat einen Terrorakt.

Quelle: FAZ.NET
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