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Hilft Hydroxychloroquin?

Trumps gefährliche Wundermittel-Wette

Von Frauke Steffens, New York
Aktualisiert am 07.04.2020
 - 08:15
Donald Trump am Montag im Weißen Haus
Donald Trump setzt gegen Covid-19 auf ein Malariamittel. Er will unbedingt als Retter dastehen. Dabei mahnt sein wichtigster Berater zur Vorsicht. Und in New York wächst die Wut auf den Präsidenten.

„Donald Trump hat Blut an seinen Händen, und er hat das Blut meiner Mutter an den Händen.“ Das sagte der Stadtkämmerer von New York, Scott Stringer, am Montag bei CNN. Stringers Mutter war vor einigen Tagen gestorben, nachdem sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Der dritthöchste Verwaltungsbeamte der Stadt drückte die Wut vieler Bürger über das Missmanagement des Präsidenten aus, der die Gefahr durch das Virus erst wochenlang heruntergespielt und dann die Hilferufe der Stadt nicht ernst genug genommen hatte.

Im Bundesstaat New York sind inzwischen fast 5000 Menschen gestorben, 2738 davon in der Stadt. Nach wie vor stellen sich die Bewohner darauf ein, dass das Schlimmste noch kommt – auch, wenn Gouverneur Andrew Cuomo am Montag verkündete, dass es eine Verlangsamung bei den Krankenhausaufnahmen gibt. Die wachsen zur Zeit nur noch um einstellige Prozentsätze. „Wir brauchen im Moment keine zusätzlichen Beatmungsgeräte“, sagte Cuomo, nachdem die Sorge vor Engpässen die New Yorker wochenlang umtrieben hatten.

Das kann sich jederzeit wieder ändern. Zu viel Optimismus könnte gefährlich werden, so der Gouverneur. Es könne sein, dass man sich dem Höhepunkt der Ansteckungswelle nähere und dass die Kontakt- und Versammlungsverbote erfolgreich seien, aber: „Wenn wir lockerlassen, werden Sie zusehen, wie diese Zahlen wieder ansteigen.“

Nicht freundlich genug gefragt

Präsident Donald Trump reichten die neuen Zahlen, um erbauliche Botschaften an seine Anhänger zu verbreiten. Er startete in den Montag, indem er in Großbuchstaben twitterte: „USA STRONG“ und „Licht am Ende des Tunnels“. Bei seinem täglichen Presse-Briefung am Nachmittag benutzte er wieder einmal Kriegsvokabeln – viele Länder würden von dem Virus attackiert, doch man werde den Kampf gewinnen und den Feind besiegen. Landesweit sind inzwischen fast 370.000 Infizierte bekannt. Rund 11.000 Menschen starben bislang in den Vereinigten Staaten an den Folgen des Virus.

Nicht nur Scott Stringer schreibt diese Zahlen auch dem mangelhaften Krisenmanagement des Präsidenten zu. Viele New Yorker hatte Trump verärgert, als er etwa beklagt hatte, Gouverneur Cuomo sei bei seinen Bitten um mehr Bundeshilfe nicht freundlich genug gewesen.

Trumps Presse-Briefings enthalten nach Ansicht seiner Kritiker so viele gefährliche Falschinformationen und Wahlkampfreden, dass sie sie nicht mehr bei den großen Fernsehsendern sehen wollen. Eine Petition, die Pressekonferenzen nicht mehr in voller Länge auszustrahlen, erhielt in kurzer Zeit mehr als 100.000 Unterschriften. Die „New York Times“ und andere Medien hörten zeitweise auf, Reporter zu schicken. Man handele zum einen in Sorge um deren Gesundheit, zweifele aber auch am Nachrichtenwert der ausführlichen Briefings, hieß es.

Am Wochenende hatte Trump seine Pressekonferenzen genutzt, um die riskante Werbung für das Malariamittel Hydroxychloroquin weiter zu treiben. Zuvor hatte er sich mit Fox-Moderatorin Laura Ingraham und einigen Medizinern getroffen, die den Stoff trotz fehlender klinischer Studien als Medikament gegen das Coronavirus anpreisen.

„Eine sehr besondere“ Substanz

Dass sich die Symptome einzelner Patienten durch den Stoff besserten, kann nach Meinung von Fachleuten keine ordentlichen Studien ersetzen. Trump hört indessen auf Befürworter des Einsatzes bei Coronavirus-Patienten, die bei Fox News auftreten oder ihn anrufen. Das geht inzwischen soweit, dass sein medizinischer Chefberater Anthony Fauci Trump deutlich gebeten haben soll, vorsichtiger zu sein.

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Falls das stimmt, war er damit bislang nicht erfolgreich. Am Sonntag sagte der Präsident, Coronavirus-Patienten sollten in Erwägung ziehen, das Mittel in Absprache mit ihren Ärzten einzunehmen. „Eine Menge Leute“ hätten dazu geraten und Hydroxychloroquin sei „eine sehr besondere“ Substanz.

Tatsächlich erhalten Patienten beispielsweise in New York den Wirkstoff, aber unter strenger Kontrolle. Die Regierung in Washington hat damit begonnen, das Medikament aus ihren Lagerbeständen ins ganze Land zu liefern.

Trump schien unterdessen einem viel laxeren Umgang mit Hydroxychloroquin das Wort zu reden, als er am Samstag fragte: „Was hat man zu verlieren?“ Mediziner warnen vor einem ungeprüften Einsatz von Hydroxychloroquin. Zu den Nebenwirkungen können Herzschäden gehören, die im Extremfall tödlich sein können.

Trump will Fehler vergessen machen

Das ist umso bedenklicher, als es immer mehr Berichte über Herzmuskelentzündungen bei Covid-19-Patienten gibt. Das ist inzwischen auch zu Trump durchgedrungen: „Ja, die Sache mit dem Herzen“, kommentierte er die Meldungen. Und als Fauci gefragt wurde, was er denke, ließ Trump ihn nicht antworten. Fauci müsse nichts dazu sagen, so der Präsident und schimpfte stattdessen über die Frage.

Trump will anscheinend unbedingt einen Erfolg im Kampf gegen das Virus, den er sich selbst anrechnen könnte und der sein Missmanagement der Krise vergessen machen sollte. Die „Washington Post“ zitierte Mitarbeiter, die Trumps Glauben an Wundermittel für ein Zeichen von Verzweiflung hielten – der Präsident lebe „in einer Welt der Wünsche und Hoffnungen“.

Andere suchen nach handfesteren Gründen, wie etwa finanziellen Interessen. Laut der „New York Times“ habe die Trump-Familie in die Firma Sanofi investiert, die das Medikament Plaquenil produziert, in dem der Wirkstoff Hydroxychloroquin enthalten ist.

Neben seiner Begeisterung für das vermeintliche Wundermittel weigerte sich Trump am Montag auch weiterhin, landesweit geltende Vorschriften zum Kontaktverbot zu erlassen. Das begründete er mit verfassungsrechtlichen Bedenken. Sein medizinischer Berater Fauci hatte kürzlich gesagt, ein national einheitlicher „lockdown“ könne hilfreich beim Kampf gegen das Virus sein.

Trump sagte, dass er durchaus bereit sei, die Gouverneure anzurufen und um schärfere Maßnahmen zu bitten, wenn Fauci das für richtig halte. Er sei allerdings „nicht hundert Prozent sicher“, dass Fauci das tatsächlich gefordert habe. Tatsächlich hatte der Mediziner vergangenen Freitag gesagt, er verstehe nicht, warum es eine solche nationale Regelung nicht gebe. Am Montag beteuerte er dann allerdings, die meisten Bundesstaaten kämen mit ihren Regelungen schon nah an seine Empfehlungen heran.

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Trump beschimpfte auch am Montag wieder einmal eine Journalistin und eine Beamtin der eigenen Behörden. Es stimme gar nicht, dass Krankenhäuser im ganzen Land zu lange auf Coronavirus-Tests, Thermometer und Schutzkleidung warten müssten, behauptete der Präsident. Gerade war ein Bericht veröffentlicht worden, in dem sich hunderte Kliniken beklagt hatten. Das Dokument kam aus der eigenen Regierung – von der stellvertretenden Generalinspektorin für das Gesundheitswesen, die die Politik des Ministeriums evaluiert.

Die „Comfort“ hilft auch Corona-Patienten

Statt sich inhaltlich zu den Beschwerden von 324 Kliniken und Krankenhausverbünden zu äußern, richtete Trump seine Wut auf die Regierungsbeamtin, Christi Grimm. „Das kann ja ihre Meinung sein. Wann wurde sie ernannt? Tun Sie mir einen Gefallen und lassen Sie mich das wissen. Sagen Sie mir das jetzt, ich muss das wissen“, ärgerte er sich.

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Gouverneur Cuomo in New York hatte am Montag indessen noch eine weitere positive Botschaft für die Bürger. Er habe sich mit Trump darauf geeinigt, dass die „Comfort“ nun auch Coronavirus-Patienten aufnehmen könne. Das Krankenhausschiff des Militärs war eigentlich dazu gedacht gewesen, überlasteten Kliniken andere Patienten abzunehmen.

Doch für viele New Yorker hätte Trump viel früher handeln müssen. Sie werfen ihm vor, dass er ihrer liberalen Stadt aus politischen Gründen lange nicht entschlossen genug half. „Trump zu New York: Fallt tot um“ hieß es vor Kurzem in einer Überschrift in der „New York Times“. Das war eine Anspielung auf die berühmte „Daily News“-Schlagzeile „Ford to City: Drop Dead“, die sich 1975 gegen den Präsidenten Gerald Ford gerichtet hatte. Damals ging es um den städtischen Bankrott.

Heute ist die Boulevardzeitung „Daily News“ mit Trump noch unbarmherziger. Einen „Drogenhändler“ und den „Chef-Pillen-Einwerfer“ nannte sie ihn dafür, dass er gesagt hatte, er würde sein vermeintliches Wundermedikament Hydroxychloroquin auch selbst einnehmen.

Quelle: FAZ.NET
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